Megafon verliert nach Fidesz-Niederlage seine finanzielle Basis
Megafon verliert nach Fidesz-Niederlage seine finanzielle Basis

Megafon verliert nach Fidesz-Niederlage seine finanzielle Basis

Oktober 6, 2026
2 min. lesezeit

Ungarns regierungsnahes Propagandanetzwerk Megafon gerät nach der Niederlage der Fidesz bei den jüngsten Parlamentswahlen unter finanziellen Druck. Eine Recherche von Direkt36 legt nahe, dass Unternehmen aus dem Umfeld des Oligarchen Lőrinc Mészáros seit 2022 mindestens 4,5 Milliarden Forint an Megafon und verbundene Organisationen überwiesen haben.

Die Zahlungen werfen eine grundlegende Frage auf: Wie eng war die politische Kommunikationsmaschine mit einem Wirtschaftskreis verbunden, der von staatlichen und europäischen Großaufträgen profitierte? Die Recherche belegt den Geldfluss und die Verbindungen der beteiligten Unternehmen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die Überweisungen illegal waren.

Geld aus dem Umfeld öffentlicher Aufträge

Im Mittelpunkt der am 5. Oktober 2026 veröffentlichten Recherche stehen die Bauunternehmen V-Híd Zrt. und R-Kord Kft. Beide werden dem Einfluss von Mészáros zugerechnet, einem ungarischen Oligarchen und langjährigen persönlichen Vertrauten Viktor Orbáns. Die Firmen wuchsen zu bedeutenden Auftragnehmern bei staatlich und europäisch finanzierten Bauprojekten heran.

Laut Direkt36 leiteten sie seit 2022 mindestens 4,5 Milliarden Forint an Megafon sowie an mit dem Zentrum verbundene Strukturen weiter. Umgerechnet entspricht die Summe mehreren Millionen Euro. Megafon nutzte solche Mittel, um ein Netzwerk rechter Influencer und umfangreiche Werbekampagnen zugunsten der politischen Linie der Regierung zu finanzieren.

Damit entstand der Recherche zufolge ein Kreislauf, in dem Unternehmen mit großen öffentlichen Aufträgen Geld an eine politische Kommunikationsinfrastruktur weitergaben. Die entscheidende politische Bedeutung liegt nicht allein in der Höhe der Zahlungen, sondern in der Verbindung zwischen öffentlicher Auftragsvergabe, wirtschaftlicher Macht und parteinaher Einflussnahme.

Die Überweisungen könnten als Unternehmensausgaben oder Werbung bezeichnet werden; ihre politische Funktion geht nach der Darstellung von Direkt36 jedoch deutlich darüber hinaus. Sie unterstützten eine Organisation, die regierungsfreundliche Botschaften systematisch über soziale Netzwerke verbreitete. Ob einzelne Zahlungen gegen Gesetze verstießen, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten.

Megafon als politische Infrastruktur

Megafon ist mehr als ein einzelner Werbekanal. Das Zentrum baute eine koordinierte Gruppe regierungsnaher Online-Stimmen auf, die politische Botschaften über soziale Plattformen verbreiteten und mit bezahlten Anzeigen verstärkten. So entstand eine digitale Infrastruktur, die der Fidesz und ihrem politischen Umfeld in Wahlkämpfen und politischen Auseinandersetzungen zusätzliche Reichweite verschaffte.

Die Finanzierung durch Unternehmen aus Mészáros’ Umfeld macht diese Infrastruktur besonders abhängig von politischen und wirtschaftlichen Beziehungen. Ein privates Medienprojekt mit vielen unterschiedlichen Einnahmequellen könnte einen Machtwechsel leichter überstehen. Ein Netzwerk, dessen wichtigste Geldgeber eng mit öffentlichen Aufträgen und dem bisherigen Machtzentrum verbunden sind, ist dagegen anfällig, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen ändern.

Genau das scheint nun zu geschehen. Nach der Wahlniederlage der Fidesz leidet Megafon laut der Recherche unter Geldmangel und einer Krise. Das beweist nicht, dass sämtliche Aktivitäten des Zentrums ausschließlich aus staatlichen Mitteln finanziert wurden. Es zeigt aber, wie rasch die Organisation unter Druck gerät, sobald das Umfeld, das ihre wichtigsten Unterstützer begünstigte, seine politische Stellung verliert.

Die offene Rechnung nach dem Machtwechsel

Für Megafon stellt sich damit die Frage, ob neue private Geldgeber gefunden werden können. Ohne den bisherigen Zugang zu politischen Netzwerken und ohne Unternehmen, die von staatlichen Großaufträgen profitieren, müsste das Zentrum sein Finanzierungsmodell grundlegend verändern.

Für die ungarische Öffentlichkeit reicht die Frage weiter. Entscheidend ist, ob wirtschaftlicher Erfolg, der eng mit öffentlichen Aufträgen verbunden ist, weiterhin in politische Reichweite umgewandelt werden kann, ohne dass Herkunft und Zweck der Mittel transparent geprüft werden. Die finanzielle Krise von Megafon macht sichtbar, wie abhängig eine scheinbar mächtige digitale Propagandamaschine von den Beziehungen hinter ihr sein kann.

Die Recherche von Direkt36 wurde bei Telex veröffentlicht.

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