Angela Merkel erfährt rund fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Kanzleramt neue öffentliche Aufmerksamkeit. Ein Porträt der Altkanzlerin im Berliner Bode-Museum zieht so viele Besucher an, dass die Ausstellung bis zum 3. Januar verlängert wird.
Merkel tritt auch wieder häufiger öffentlich auf. Im Februar war sie nach längerer Zeit erstmals wieder bei einem CDU-Parteitag zu sehen, außerdem bei weiteren Veranstaltungen.
Derzeit wirbt sie auf Lesereise für ihre 736 Seiten starke Autobiografie „Freiheit“. Nach Angaben ihres Verlags wurde das Buch weltweit mehr als eine Million Mal verkauft.
Bei einer Lesung in Peenemünde erhielt Merkel von rund 1.200 Menschen viel Applaus. Nach Angaben des Artikels verbinden viele Besucher mit ihr Ruhe, Sachlichkeit und ein Gefühl politischer Sicherheit.
Politisch belastet die neue Merkel-Zuneigung auch CDU-Chef Friedrich Merz. Er hatte einen klaren Kurswechsel und eine konservativere Linie versprochen und kommt nach gut einem Jahr im Amt auf schwache Zustimmungswerte.
In einer von dpa in Auftrag gegebenen YouGov-Umfrage hielten 48 Prozent von etwas mehr als 2.000 Befragten Merkel für besser geeignet als Merz, um Deutschlands aktuelle Probleme zu lösen. 29 Prozent sahen beide gleichauf, acht Prozent bewerteten Merkel schlechter.
Eine INSA-Umfrage vom 28. September bis 2. Oktober sah die AfD bei 30 Prozent und die Union bei 18 Prozent. Der Artikel ordnet Merkels anhaltende Resonanz in eine politische Lage ein, die von Konflikten, wirtschaftlichem Druck und einem schärferen Ton geprägt ist.