Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat eine zunehmende russische Desinformationskampagne gegen Bundeskanzler Friedrich Merz festgestellt. Nach Angaben der Behörde nahm die Häufigkeit der Angriffe seit Ende Juni 2026 deutlich zu; als wichtigste Verbreitungsplattform diente das soziale Netzwerk X. Über die Entwicklung berichtete am 16. September 2026 zunächst das Handelsblatt.
Die Kampagne richtet sich damit gegen den deutschen Regierungschef, weil seine politische Haltung den strategischen Interessen des Kremls widerspricht. Merz tritt für eine Verschärfung des Sanktionsdrucks gegen Russland und für die Fortsetzung der militärischen und politischen Unterstützung der Ukraine ein. Genau diese Positionen machen ihn zum Ziel russischer Informationsangriffe.
Das Bundesamt beschreibt den Zweck der Kampagne als Versuch, „die gesellschaftliche Spannung zu erhöhen, das Vertrauen in demokratische Prozesse zu untergraben und die Bildung politischer Einstellungen sowie die Willensbildung zu beeinflussen“. Es geht nach dieser Einschätzung nicht lediglich um einzelne falsche Behauptungen über den Kanzler, sondern um eine koordinierte Einflussnahme auf die politische Wahrnehmung in Deutschland.
Russische Netzwerke greifen die Positionen des Kanzlers gezielt an
Im Mittelpunkt stehen nach den vorliegenden Angaben russische Botnetzwerke, die Politiker gezielt angreifen und diskreditieren, wenn deren Positionen den Interessen des Kremls entgegenstehen. Die Angriffe auf Merz folgen damit einem klaren politischen Muster: Nicht seine persönliche Kommunikation steht isoliert im Vordergrund, sondern seine Haltung zu Sanktionen, zur Ukraine und zum Verhältnis Deutschlands zu Russland.
Die sozialen Netzwerke schaffen dafür die notwendige Reichweite. Vor allem auf X können Beiträge schnell verbreitet, wiederholt und durch miteinander verbundene Konten verstärkt werden. Auf diese Weise entsteht der Eindruck einer breiten öffentlichen Empörung, obwohl die Verbreitung von Bots und koordinierten Netzwerken vorangetrieben wird. Die digitale Verbreitung ist somit nicht nur ein technisches Mittel, sondern der zentrale Mechanismus der Einflussnahme.
Die Kampagne zielt auf Vertrauen und politische Willensbildung
Das erklärte Ziel der russischen Einflussnahme reicht über die Diskreditierung des Bundeskanzlers hinaus. Sie soll die gesellschaftliche Polarisierung in Deutschland vertiefen, das Vertrauen in demokratische Institutionen schwächen und die Akzeptanz politischer Entscheidungen untergraben. Dazu gehört insbesondere der Versuch, die Unterstützung für die Ukraine zu vermindern oder zu beenden.
Ebenso richtet sich die Kampagne gegen die in Deutschland und Europa verhängten Sanktionen gegen Russland. Negative Einstellungen zu diesen Maßnahmen sollen gefördert werden, indem politische Gegner des Kremls als unglaubwürdig, schädlich oder nicht im Interesse der Bevölkerung dargestellt werden. Die Angriffe verbinden damit persönliche Diffamierung mit einer strategischen Botschaft gegen die deutsche Russland- und Ukrainepolitik.
Die deutschen Behörden hatten bereits im August vor vergleichbaren russischen Einflussoperationen gewarnt. Im Zusammenhang mit den Wahlen in Berlin stellten sie erneut eine Zunahme von Desinformation in sozialen Netzwerken fest. Die Entwicklung zeigt, dass solche Kampagnen nicht auf einen einzelnen politischen Anlass begrenzt sind, sondern sich verstärken können, wenn politische Entscheidungen oder Wahlen besondere Aufmerksamkeit erzeugen.
Behörden erkennen eine systematische Einflussoperation
Für die Bewertung entscheidend ist die zeitliche Abfolge: Ende Juni nahm die Häufigkeit der gegen Merz gerichteten Inhalte zu, im August folgte eine öffentliche Warnung der deutschen Behörden, und im September dokumentierte das Bundesamt die verstärkte Kampagne erneut. Die Angriffe verbreiteten sich dabei vor allem über soziale Netzwerke und richteten sich gegen einen klar erkennbaren politischen Kurs.
Damit werden mehrere Ebenen miteinander verbunden. Die persönliche Glaubwürdigkeit des Kanzlers soll beschädigt, das Vertrauen in demokratische Verfahren soll geschwächt und die gesellschaftliche Unterstützung für die Ukraine sowie für Sanktionen gegen Russland soll verringert werden. Betroffen sind deshalb nicht nur Merz und seine politische Arbeit, sondern auch die demokratische Meinungsbildung und die außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands.
Die zentrale Feststellung des Bundesamts bleibt: Russland hat die Informationsangriffe gegen Friedrich Merz seit Ende Juni verstärkt und nutzt dafür vor allem X sowie russische Botnetzwerke. Die Kampagne ist damit als laufende Einflussoperation erfasst, deren bestätigte Wirkung auf die deutsche Öffentlichkeit in der politischen Polarisierung und dem Angriff auf das Vertrauen in demokratische Prozesse liegt.