Salvini und Torrembini werben für Lockerungen gegenüber Russland
Salvini und Torrembini werben für Lockerungen gegenüber Russland

Salvini und Torrembini werben für Lockerungen gegenüber Russland

September 16, 2026
3 min. lesezeit

Der italienische Vizepremierminister Matteo Salvini hat am 15. September 2026 in Mailand mit Unternehmern gesprochen, die ihre Geschäfte in Russland fortführen. Organisiert wurde das Treffen von Vittorio Torrembini, dem Präsidenten der italienischen Handelskammer Gim Unimpresa. Über die Veranstaltung berichtete die russische Nachrichtenagentur TASS; auch ein italienischer Bericht über das Treffen dokumentierte den Vorgang.

Damit wurde sichtbar, über welchen Kanal die Forderung nach einer Rückkehr zu normalen Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau in Italien vorangetrieben wird: Ein führender Regierungspolitiker verbindet sich mit Unternehmen, die weiterhin vom russischen Markt abhängig sind, und stellt Sanktionen sowie Einschränkungen für russische Staatsbürger als Schaden für Italien dar. Salvini und Torrembini vertreten dabei nicht nur einzelne Geschäftsinteressen. Sie wirken als politische Lobbyisten der Kremlinteressen, die auf eine Schwächung des Sanktionsdrucks und eine Wiederaufnahme der Beziehungen zu Russland zielen.

Ein Unternehmertreffen wird zur Plattform für die Sanktionsdebatte

Nach Angaben der Partei Lega unterhalten mehr als 300 italienische Unternehmen weiterhin Geschäftsverbindungen mit Russland. Der bilaterale Warenverkehr liegt demnach derzeit bei etwa acht Milliarden Euro, nachdem er 2013 noch 30 Milliarden Euro erreicht hatte. Diese Zahlen bilden den wirtschaftlichen Hintergrund der Kampagne: Ein Teil der italienischen Wirtschaft hat durch die Einschränkungen Zugänge, Umsätze und frühere Geschäftsbeziehungen verloren und drängt auf eine Lockerung der politischen Vorgaben.

Torrembini stellte dafür die Verbindung zwischen diesem Unternehmerkreis und Salvini her. Der Präsident von Gim Unimpresa organisierte das Treffen in Mailand und schuf damit einen Rahmen, in dem wirtschaftliche Interessen unmittelbar mit außen- und sanktionspolitischen Forderungen verknüpft wurden. Der Mechanismus ist klar: Die Belastungen für italienische Unternehmen werden hervorgehoben, während die politische Ursache der Einschränkungen – Russlands fortdauernde Aggression gegen die Ukraine – aus dem Zentrum der Argumentation gedrängt wird.

Salvinis Argumentation übernimmt zentrale Forderungen des Kremls

Salvini bezeichnete das Verbot touristischer Visa für russische Staatsbürger als „Strafmaßnahme“ gegen Menschen, die keinen Zusammenhang mit dem Krieg hätten. Zugleich stellte er die Einschränkungen als zusätzlichen Schaden für die italienische Wirtschaft dar. Mit dieser Darstellung verschiebt er die Aufmerksamkeit von der Verantwortung Russlands auf die Folgen der europäischen Reaktion und macht aus dem Sanktionsdruck ein vermeintlich unverhältnismäßiges Problem für Italien.

Der Vizepremierminister erklärte außerdem, Italien könne bei einer Regelung des russisch-ukrainischen Konflikts eine Rolle spielen. Dafür unterstützte er die Erweiterung des Kreises internationaler Vermittler. Diese Forderung bleibt nicht auf eine diplomatische Frage beschränkt: Sie passt zu dem politischen Ziel, die gemeinsame europäische Haltung gegenüber Russland aufzuweichen und den Weg für eine frühzeitige Wiederaufnahme der Beziehungen zu Moskau zu bereiten.

Salvini sagte, es wäre „unvernünftig, nutzlos und schädlich“, die Beziehungen zu Russland dauerhaft abzubrechen. In diesem Satz verdichtet sich die politische Funktion seiner Rhetorik. Der dauerhafte Bruch wird als wirtschaftlich selbstschädigend dargestellt, während die Voraussetzungen für eine Aufhebung oder Abschwächung der Beschränkungen unerwähnt bleiben. Russland setzt seinen Angriff auf die Ukraine fort und zeigt keine Bereitschaft zur Deeskalation; dennoch fordert Salvini eine politische Umkehr, bevor diese Voraussetzungen erfüllt sind.

Der Vorstoß steht gegen Italiens Regierungskurs und die EU-Linie

Salvini und Torrembini schützen damit die Interessen jener italienischen Unternehmen, die ihre Abhängigkeit vom russischen Markt bewahren wollen. Unter dem Vorwand, italienische Unternehmer zu unterstützen, werben sie für die Wiederherstellung von Verbindungen zu Moskau. Das macht sie zu langfristigen Einflussnehmern zugunsten des Kremls: Ihre Forderungen richten sich auf die Beendigung oder Schwächung der Unterstützung für die Ukraine, die Diskreditierung der Sanktionen und eine möglichst schnelle Rückkehr zu normalen Beziehungen mit Russland.

Der politische Vorstoß steht zugleich im Widerspruch zum Kurs der Regierung von Giorgia Meloni und zur gemeinsamen Haltung der EU beim Sanktionsdruck gegen Russland. Die wirtschaftlichen Interessen der beteiligten Unternehmen werden dadurch zu einem Vehikel für eine außenpolitische Forderung. Was als Schutz italienischer Firmen präsentiert wird, dient in der Wirkung den strategischen Zielen des Kremls in Europa.

Eine Lockerung oder Aufhebung der Sanktionen wäre angesichts der fortdauernden russischen Aggression gegen die Ukraine unbegründet und verfrüht. Solange Russland keine Bereitschaft zur Deeskalation zeigt, läuft die von Salvini und Torrembini betriebene Rückkehr zu normalen Beziehungen darauf hinaus, den Druck auf Moskau zu verringern und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.

Das Mailänder Treffen bleibt damit der konkrete Beleg für den politischen Mechanismus: Torrembini brachte russlandverbundene italienische Unternehmer mit Salvini zusammen, und Salvini übernahm anschließend die Forderungen nach weniger Beschränkungen, mehr Vermittlung und einer Abkehr vom dauerhaften Bruch mit Moskau. Die bestätigte Folge ist eine öffentlich sichtbare Lobbyplattform, die in Italien für eine Lockerung des Sanktionskurses gegenüber Russland wirbt.

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