Ver.di, die „Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft“, feiert heute ihr 25-jähriges Bestehen. Sie repräsentiert sowohl Beschäftigte im öffentlichen Dienst als auch im Einzelhandel, in den Medien und im Transportwesen und ist die zweitgrößte Gewerkschaft Deutschlands nach der IG Metall. Trotz dieser jahrelangen Erfolge steht die Gewerkschaft vor Herausforderungen: In den vergangenen Jahren hat die Mitgliederzahl der deutschen Gewerkschaften alarmierend abgenommen. Waren in den 1980er-Jahren noch über 40 Prozent der Beschäftigten in einer Gewerkschaft, liegt dieser Wert heute bei nur noch etwa 12 Prozent.
Aktuelle Streikbewegungen im öffentlichen Dienst haben zwar für Aufsehen gesorgt – wie etwa die bundesweiten Streiks im ÖPNV oder an Universitäten – jedoch geht der allgemeine Zuspruch in der Bevölkerung zurück. Streiks, die ehemals meist nur einige Stunden dauerten, erstrecken sich mittlerweile über mehrere Tage, was häufig als unverhältnismäßig empfunden wird. Während in der Vergangenheit die Mehrheit der Bevölkerung hinter den Gewerkschaften stand, gibt es heute zunehmende kritische Stimmen.
Die rückläufige Mitgliederzahl hat für die Gewerkschaften zufolge auch die Tarifbindung in der Privatwirtschaft beeinflusst. Innerhalb von drei Jahrzehnten hat sich dieser Wert von 63 auf 33 Prozent verringert. Besonders stark betroffen ist die IG Bauen-Agrar-Umwelt, die innerhalb eines Jahres fast 30 Prozent ihrer Mitglieder verloren hat. Die IG Metall verbuchte einen Rückgang von 8 Prozent, während ver.di einen Rückgang von 9 Prozent registrierte.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, sieht man bei den Gewerkschaften die Notwendigkeit, neue Mitglieder zu gewinnen, vor allem in einer Zeit, in der Berufstätige häufiger in Teilzeit oder in mehreren Jobs arbeiten und oft in kleineren, weniger gewerkschaftlich organisierten Betrieben tätig sind. Gewerkschaften versuchen, durch Kampagnen und die Stärkung der Betriebsratswahlen weiterhin Einfluss zu nehmen, insbesondere da alle Betriebsräte in Deutschland ab März neu gewählt werden.
In Ländern wie Finnland sind Gewerkschaften wesentlich stärker vertreten, was sich in einer Mitgliedschaft von über 70 Prozent widerspiegelt. Die finnischen Gewerkschaften bieten darüber hinaus zusätzliche Leistungen wie Zuschüsse beim Arbeitslosengeld an, während diese in Deutschland oft weniger stark ausgebaut sind.
Trotz der Herausforderungen betont ver.di, dass sie das Ziel haben, bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Mit rund 1,8 Millionen Mitgliedern und einer Vielzahl von Berufen, die sie vertreten, bleibt die Gewerkschaft aktiv und möchte ihre Relevanz in der sich wandelnden Arbeitswelt sichern.