Revanche aus dem Vorjahr Leon Draisaitl im NHL-Finale – Endgegner vor dem Endziel
Leon Draisaitl ist in der NHL über alle Zweifel erhaben, dem Eishockey-Star fehlt aber noch der Stanley Cup. Auf dem Weg zum Titel liegt nur noch der alt bekannte Brocken.
Leon Draisaitl hat schon auf so viele Arten und Weisen Geschichte geschrieben. Er ist der bisher einzige deutsche MVP, 2020 wurde er zum besten Spieler der NHL gewählt – in dieser Saison könnte er die Hart Memorial Trophy sogar zum zweiten Mal gewinnen. Nur neun Spieler schafften es in der Geschichte der amerikanischen Eishockey-Liga, noch häufiger diese Trophäe zu erhalten.
In dieser Spielzeit hat Draisaitl wiederholt geliefert. Mit 52 Treffern war er mit Abstand der beste Torschütze der NHL in dieser Saison, in die er als Bestverdiener in der gesamten Liga gegangen war. Vor dem ersten Spiel war dies oft zum Thema gemacht worden, Draisaitl hatte immer wieder betonen müssen, dass er sich diesen Status verdient habe – wobei viele Experten zum Beispiel seinen Teamkollegen Connor McDavid noch eine Stufe weiter oben sahen.
Edmonton Oilers können Rache an den Florida Panthers nehmen
Doch in dieser Saison war Draisaitl derjenige, der die Edmonton Oilers lange Zeit auf den Schultern tragen musste. Die Kanadier erlebten schwere Zeiten, nach dem ersten Monat stand der Vizemeister mit einer Bilanz von vier Siegen und sechs Niederlagen da und machte überhaupt nicht den Eindruck, als könne er erneut um den Stanley Cup spielen. Doch sieben Monate später haben sich die Oilers doch genau diese Gelegenheit erspielt. Und eine Revanche.
Wie in der vergangenen Saison werden die Florida Panthers der Gegner sein, zum dritten Mal in Serie steht diese Mannschaft im NHL-Finale, nun geht es zum zweiten Mal hintereinander gegen Edmonton. „Wir kennen sie gut. Sie sind ein gutes Team, aber wir sind auch ein wirklich gutes Team“, sagte Draisaitl nach dem entscheidenden 6:3-Erfolg in Spiel fünf gegen Dallas: „Es ist schön, eine Art Revanche zu kriegen. Wir werden bereit sein.“
In der Finalserie wird Draisaitl ganz besonders im Rampenlicht stehen, denn bei allen Verdiensten wird auch aus einem Superstar erst dann ein echter Eishockey-Champion, wenn er diesen überdimensionierten über 15 Kilogramm schweren Pokal in die Luft stemmen darf.
Draisaitl denkt noch an den Schmerz der Niederlage
Die Oilers warten seit genau 35 Jahren darauf, das Finale mal wieder für sich zu entscheiden, Draisaitl versucht es seit 2014, als er an Nummer drei von den Kanadiern gedraftet wurde, vergeblich. So knapp wie in der vergangenen Saison war es jedoch noch nie, nach einem 0:3-Rückstand hatte Edmonton die Serie ausgleichen können, um dann Spiel sieben doch ganz knapp mit 1:2 zu verlieren.
„Das wird für immer auf eine gewisse Art und Weise präsent bleiben. Viel knapper hätte man nicht am Stanley Cup sein können. Und ja, man hat Momente, wo man viel drüber nachdenkt und das schmerzt natürlich immer noch“, sagte Draisaitl im Laufe der aktuellen Saison in der Rückschau. „Aber auf der anderen Seite ist es eine neue Saison. Wir haben eine neue Chance, uns wieder dahin zu arbeiten und uns die Möglichkeit zu geben, wieder im Finale zu stehen. Darauf arbeiten wir hin.“
Leon Draisaitl (r.) in der NHL-Finalserie gegen Florida
Edmonton setzt auf einen breiten Kader
Die Arbeit hat sich ausgezahlt, gegen die Dallas Stars setzten sich die Oilers genauso souverän mit 4:1 durch wie zuvor gegen die Vegas Golden Knights. In der ersten Runde war Edmonton noch mit zwei Niederlagen gegen die Los Angeles Kings gestartet, gewann dann aber die vier folgenden Partien und war dann im Playoff-Flow, der das Team nun wieder in den Showdown um den Stanley Cup gebracht hat.
Dort wird Draisaitl wie schon in der gesamten Postseason einen wichtigen Beitrag leisten müssen, für ihn ist das Erfolgsrezept der Oilers aber ein anderes. „Unsere Tiefe hat uns größtenteils durch diese Playoffs getragen und sie ist der Grund, warum wir jetzt in dieser Position sind“, sagte der 29-Jährige schon im Laufe der Serie gegen Las Vegas.
Draisaitl will als sechster Deutscher den Stanley Cup
Fünf deutsche Spieler haben bislang den Stanley Cup gewonnen, der vermutlich beste Eishockeyspieler aller Zeiten aus Deutschland hat dies aber bisher nicht geschafft. Draisaitl übt gerne mal Kritik daran, dass seine Leistungen in seiner Heimat nicht gewürdigt werden, wie sie es verdient hätten – doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA rücken die Leistungen erst dann in ein viel helleres Licht, wenn sie mit Titeln gekrönt werden. All die Tore sind kaum etwas wert, wenn das Resultat nicht der Sieg ist.
Draisaitl weiß das. Er weiß, was er vor gut einem Jahr gefühlt hat, als er die Hand schon Richtung Stanley Cup gestreckt hatte, ihm der Pokal dann aber doch noch entrissen wurde. Und er weiß, dass er nun auf das Team treffen wird, das für diesen Schmerz verantwortlich war. Die Florida Panthers (in der regulären Saison gab es auch zwei Niederlagen) sind sein Endgegner – und der Stanley Cup ist nach wie vor sein Endziel.