Pro-russische Medien verbreiten Behauptungen zu Tschernobyl und Oleschky
Pro-russische Medien verbreiten Behauptungen zu Tschernobyl und Oleschky

Pro-russische Medien verbreiten Behauptungen zu Tschernobyl und Oleschky

September 29, 2026
2 min. lesezeit

Zwischen dem 22. und 24. September 2026 verbreiteten die serbische Publikation Vaseljenska und das bulgarische Medium Aussagen, wonach die Ukraine eine militärische Provokation im Raum des Kernkraftwerks Tschernobyl vorbereite und für die humanitäre Lage in der besetzten Stadt Oleschky verantwortlich sei. Die Berichte stützten sich nach den vorliegenden Angaben auf Aussagen russischer Quellen. Unabhängige Belege für die Behauptungen werden in den genannten Veröffentlichungen nicht angeführt.

Vaseljenska berief sich auf die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti und zitierte Sergei Lebedew, der als Koordinator eines prorussischen Untergrunds in der Region Mykolajiw bezeichnet wurde. Lebedew behauptete, die ukrainische Führung könne eine größere militärische Provokation im Gebiet des Kernkraftwerks Tschernobyl planen, um unter anderem Polen in den Konflikt hineinzuziehen. Seinen Angaben zufolge seien dort mindestens 10.000 ukrainische Soldaten stationiert. Diese Darstellung ist im vorliegenden Material nicht durch unabhängige Quellen bestätigt.

Die Anwesenheit ukrainischer Kräfte im Norden des Landes wird in den vorliegenden Angaben mit der Verteidigung gegen mögliche Angriffe aus Russland oder Belarus erklärt. Im September 2026 führte die Ukraine demnach entlang der Grenzen zu beiden Staaten ein besonderes Grenzregime in einem ein Kilometer breiten Streifen ein. Als Begründung wurde die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und die Gefahr einer Destabilisierung in den Grenzregionen genannt.

Russische Truppen hatten das Kernkraftwerk Tschernobyl im Februar 2022 eingenommen und bis zum 31. März desselben Jahres kontrolliert. Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation beeinträchtigte die Besetzung unter anderem den regulären Betrieb, die Logistik und die Personalversorgung. Am 14. Februar 2025 traf nach den vorliegenden Angaben eine russische Drohne die Schutzhülle über dem zerstörten vierten Reaktorblock. Dabei wurden die Konstruktion beschädigt und ein Brand ausgelöst.

zitierte den Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, mit der Behauptung, die ukrainischen Behörden verhinderten absichtlich die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten nach Oleschky im Gebiet Cherson. Russische Kräfte würden demnach versuchen, neue Lieferungen durch Maßnahmen gegen Drohnen und Stellungen am anderen Ufer des Dnipro zu ermöglichen. Auch für diese Darstellung werden im Ausgangsmaterial keine unabhängigen Belege genannt.

Oleschky steht nach den vorliegenden Angaben seit dem 24. Februar 2022 unter russischer Besatzung. Für die Zivilbevölkerung werden Engpässe bei Lebensmitteln und medizinischer Versorgung sowie eingeschränkte Möglichkeiten zur Evakuierung beschrieben. Zugleich wird der russischen Besatzungsverwaltung vorgeworfen, Lieferungen zu blockieren und internationale humanitäre Missionen am Zugang zu hindern. Die ukrainische Seite habe nach diesen Angaben mit Drohnen Lebensmittel in die Stadt gebracht. Russland soll zudem von der Ukraine vorgeschlagene Evakuierungspläne abgelehnt haben. Diese Vorwürfe sind in dem vorliegenden Material nicht durch unabhängig überprüfte Nachweise belegt.

Nach Artikel 55 der Vierten Genfer Konvention trägt eine Besatzungsmacht grundsätzlich Verantwortung für die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln, medizinischen Gütern und notwendiger medizinischer Betreuung. Die Behauptung, die humanitäre Krise sei allein der Ukraine zuzuschreiben, wird im Ausgangsmaterial daher als Versuch bewertet, die Verantwortung der Besatzungsmacht zu verlagern. Die Behauptung einer ukrainischen Planung zur Einbeziehung Polens wird dort ebenfalls als unbelegt zurückgewiesen. Polen gilt demnach als wichtiger Unterstützer der Ukraine; daraus folgt jedoch nicht automatisch eine Beteiligung polnischer Soldaten an den Kämpfen.

Die Berichte über Tschernobyl und Oleschky stehen damit in einem von gegenseitigen Anschuldigungen geprägten Informationsumfeld. Die genannten Behauptungen sollten von bestätigten Tatsachen und unabhängig überprüfbaren Belegen getrennt werden.

Bericht von Vaseljenska

Bericht von

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Nicht verpassen

Proteste gegen geplante Reformen der sozialen Sicherung in Deutschland

Proteste gegen geplante Reformen der sozialen Sicherung in Deutschland

Am 27. September 2026 berichteten Medien,…
Polen will Verfahren zum Abschuss russischer Drohnen und Raketen vereinfachen

Polen will Verfahren zum Abschuss russischer Drohnen und Raketen vereinfachen

Das polnische Verteidigungsministerium arbeitet nach Medienberichten…
Berichte über russische Rekrutierung belarussischer Bürger für den Krieg gegen die Ukraine

Berichte über russische Rekrutierung belarussischer Bürger für den Krieg gegen die Ukraine

Am 26. September 2026 berichteten Medien…