Aumovio-Chef Philipp von Hirschheydt hat in einem Interview die Lage für die deutsche Industrie als „sehr ernst“ beschrieben und vor einer Schwächung des Standorts gewarnt. Er sieht vor allem hohe Bürokratie, hohe Arbeitskosten und den hohen Krankenstand als Belastung für die Wettbewerbsfähigkeit.
Von Hirschheydt sagte, die Situation im verarbeitenden Gewerbe bereite ihm Sorgen. Die Krankheitsquote in Deutschland liege deutlich über der vieler anderer Länder und habe sich seit Jahren nicht spürbar verbessert, sagte er mit Blick auf den Krankenstand.
Der Manager plädiert für eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Aus seiner Sicht würde der Sprung von 35 auf 40 Stunden die verfügbare Arbeitszeit um rund 14 Prozent erhöhen.
„Nein, ganz ausdrücklich nicht“, sagte von Hirschheydt auf die Frage, ob Deutschland damit zu einem Niedriglohnland werden solle. Er wolle die Wettbewerbsfähigkeit stärken, nicht das Lohnniveau senken.
Aumovio setze bereits an zwei Standorten, in Villingen-Schwenningen und Ingolstadt, Modelle um, bei denen Beschäftigte drei Stunden länger für dasselbe Geld arbeiteten. Über vergleichbare Regelungen im ganzen Land müssten nach seinen Worten die Tarifparteien entscheiden, nicht eine einzelne Person.
Für Aumovio selbst rechnet der Chef auch in fünf Jahren noch mit Entwicklung und Produktion in Deutschland. Der Anteil könne aber sinken, wenn Arbeitskosten und Bürokratie auf dem jetzigen Niveau blieben.
Von Hirschheydt führt Aumovio seit September 2025. Das Unternehmen war aus Continental herausgelöst worden und hatte nach Angaben des Berichts im Zuge der Umstrukturierung Zehntausende Stellen verloren.
Der 52-Jährige sagte zudem, er habe bislang nicht persönlich mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gesprochen. Mit Blick auf die Debatte um längere Arbeitszeiten verwies er darauf, dass ähnliche Forderungen auch an anderer Stelle erhoben würden.