Polen untersucht geplanten Brandanschlag auf Drohnenhersteller Flytronic
Polen untersucht geplanten Brandanschlag auf Drohnenhersteller Flytronic

Polen untersucht geplanten Brandanschlag auf Drohnenhersteller Flytronic

Oktober 24, 2026
2 min. lesezeit

Die polnische Staatsanwaltschaft und der Inlandsgeheimdienst ABW untersuchen einen mutmaßlichen Versuch, den Drohnenhersteller Flytronic in Gliwice in Brand zu setzen. Nach Medienberichten soll ein Anwerber im Auftrag russischer Nachrichtendienste 30.000 US-Dollar für die Zerstörung des Werks angeboten haben, das unter anderem Aufklärungssysteme des Typs FlyEye für die Ukraine produziert.

Der Vorgang wurde am 22. Oktober 2026 bekannt. Das Werk gehört zur polnischen Rüstungs- und Luftfahrtindustrie und ist damit zugleich Teil der Produktionsbasis, über die militärische Unterstützung für Kiew bereitgestellt wird. Ein erfolgreicher Brand hätte deshalb nicht nur ein einzelnes Unternehmen getroffen, sondern potenziell auch Lieferungen und Produktionsabläufe im polnischen Verteidigungssektor.

Ein Auftrag über Telegram

Aufgedeckt wurde der Anwerbeversuch nach Angaben des polnischen Recherchemediums Vot Tak. Ein Nutzer unter dem Pseudonym „Joker“ soll über Telegram einen Brandanschlag auf das Werk angeboten haben. Das Konto sei mit einer Telefonnummer aus der russischen Region Saratow verknüpft gewesen. Ob diese Verbindung die tatsächliche Identität des Auftraggebers oder seine Zugehörigkeit zu einem Nachrichtendienst belegt, ist damit allein nicht geklärt.

Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und ABW sollen nun unter anderem klären, wer hinter dem Angebot stand, ob bereits geeignete Ausführende kontaktiert wurden und wie eine mögliche Bezahlung erfolgen sollte. Die im Raum stehende Summe von 30.000 US-Dollar zeigt dabei einen Mechanismus, der Sicherheitsbehörden vor besondere Probleme stellt: Ein Auftrag kann über digitale Kanäle an Personen vermittelt werden, die auf den ersten Blick keine erkennbare Verbindung zu einem ausländischen Staat haben.

Den Medienbericht zum Fall veröffentlichte TVP World. Die dort beschriebenen Angaben sind Gegenstand der laufenden Untersuchung; ein abgeschlossener Nachweis über die Verantwortlichen liegt in dem vorliegenden Bericht nicht vor.

Teil einer größeren Bedrohung für die Produktionsbasis

Der Verdacht gegen Flytronic steht im Zusammenhang mit einem weiteren Brandanschlag auf ein Unternehmen der polnischen WB Group Ende August 2026. Auch dieses Unternehmen ist in der Herstellung von Verteidigungstechnik und unbemannten Systemen tätig. Die zeitliche und sachliche Nähe der Fälle verstärkt in Polen die Sorge, dass sich Sabotageversuche nicht nur gegen Transportwege oder militärische Einrichtungen richten, sondern zunehmend gegen die industrielle Basis der Unterstützung für die Ukraine.

Für die Angreifer wären Produktionsstätten besonders attraktive Ziele: Schon ein begrenzter Brand kann Anlagen beschädigen, Fertigungsprozesse unterbrechen und Liefertermine verschieben. Bei Unternehmen, die zugleich für die polnischen Streitkräfte und für die ukrainische Verteidigung produzieren, würde ein solcher Ausfall zwei sicherheitspolitische Ebenen berühren. Aus den bisher bekannten Angaben lässt sich jedoch weder der Umfang eines möglichen Schadens noch eine konkrete Verzögerung von Lieferungen ableiten.

Der Fall lenkt den Blick deshalb auf die gesamte Kette hinter einem Sabotageversuch. Die Ermittler müssen nicht nur mögliche Täter vor Ort identifizieren, sondern auch digitale Anwerbekanäle, Zahlungswege und die Auswahl der Ziele nachvollziehen. Gerade die Kombination aus anonymen Kontakten, finanziellen Anreizen und physischer Ausführung kann die Zuordnung zu einem ausländischen Auftraggeber erschweren.

Für Polen bleibt damit die zentrale Frage, ob die Sicherheitsbehörden einzelne Anschlagspläne aufklären oder ein wiederkehrendes Muster erkennen können. Die Untersuchung bei Flytronic soll zeigen, wie belastbar die Hinweise auf eine gesteuerte Operation sind – und ob die Schutzmaßnahmen für jene Produktionsstätten ausreichen, die für Polens eigene Verteidigungsfähigkeit und die Unterstützung der Ukraine von Bedeutung sind.

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