Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie wolle die Energiewende abbremsen. In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ bezeichnete sie solche Anschuldigungen als „Unsinn“ und bekräftigte zugleich ihre Bindung an die Koalition aus CDU/CSU und SPD.
Reiche verwies auf den Ausbau von Photovoltaik- und Windanlagen. Nach ihren Angaben wurden sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr mehr Solar- und Windanlagen errichtet als ursprünglich vorgesehen.
Die Ministerin sagte zudem, 30 Jahre Klimapolitik hätten bisher fast eine Billion Euro gekostet. Erneuerbare Energien erreichten am gesamten Energieverbrauch nach ihrer Darstellung erst einen Anteil von rund 20 Prozent.
„Das zeigt, Transformation ist richtig, braucht aber Zeit, sie kostet Geld und sie verläuft nicht linear“, sagte Reiche dem Blatt.
Für den bevorstehenden Winter erwartet sie trotz vergleichsweise niedriger Speicherstände keinen Gasmangel. „Stand heute liegt mehr Gas in den Speichern, als selbst im kältesten Jahr verbraucht wurde“, sagte sie.
Die Bundesregierung will wegen zunehmender Bedrohungen zusätzlich eine strategische Gasreserve aufbauen. Nach Reiches Angaben soll sie erst im übernächsten Winter zur Verfügung stehen.
Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Koalition wies Reiche zurück. Eine Minderheitsregierung oder eine punktuelle Unterstützung durch die AfD komme für sie nicht infrage. „Für mich gibt es zu dieser Koalition keine Alternative“, sagte sie.
Reiche erklärte zudem die starke Unterstützung für die AfD in Ostdeutschland unter anderem mit lang anhaltender wirtschaftlicher Stagnation und der Sorge vor Arbeitsplatzverlusten in Auto-, Stahl- und Chemieindustrie. Zugleich äußerte sie sich zuversichtlich, dass Deutschland die strukturelle Wirtschaftskrise überwinden kann.
Sie verwies dabei auf qualifizierte Arbeitskräfte, Wissenschaft, Gründer und Kapital sowie auf Chancen beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Industrie.
