Ein ungarischer Parlamentsausschuss plant, 65 Personen im Zusammenhang mit mutmaßlichen Missbräuchen im Gerichtsvollzieherwesen anzuhören. Die Befragungen sollen sich auf fünf getrennte Untersuchungsbereiche verteilen.
Zu den vorgeladenen Personen gehören nach den vorliegenden Angaben der frühere Kabinettschef des Ministerpräsidenten, Antal Rogán, die ehemalige Justizministerin Judit Varga, der frühere Staatssekretär Pál Völner und der ehemalige Vorsitzende der ungarischen Gerichtsvollzieherkammer, György Schadl. Sie werden in einem viel beachteten Korruptionsfall genannt.
Ein Teil der Zeugen soll mündlich aussagen, von anderen sollen schriftliche Aussagen verlangt werden. Nach einer Ausweitung der Befugnisse parlamentarischer Untersuchungsausschüsse sind vorgeladene Personen verpflichtet, zu erscheinen und wahrheitsgemäß auszusagen.
Der Ausschuss wurde im Juni 2026 auf Initiative der Partei Tisza eingesetzt. Über die geplanten Anhörungen wurde am 24. September 2026 berichtet.
Weitere Angaben zu dem Vorgang enthält ein Bericht von Telex/Direkt36.
Politischer Kontext
Die Einsetzung des Ausschusses und die geplante Befragung früherer Regierungsvertreter werden als Ausdruck einer stärkeren parlamentarischen Kontrolle in Ungarn dargestellt. Ob die Anhörungen zu konkreten Verantwortungsfeststellungen oder weiteren rechtlichen Schritten führen, ist aus den vorliegenden Angaben nicht ersichtlich.