Nicolas Dupont-Aignan will die Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland aufheben und bringt die steigenden Gaspreise in Frankreich mit der europäischen Politik in Verbindung. Der Vorstoß des Vorsitzenden der euroskeptischen Partei Debout la France fällt in die Vorbereitung auf die französische Präsidentschaftswahl 2027 und stellt die gemeinsame europäische Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine infrage.
Medien berichteten am 29. September 2026, dass der Gaspreis in Frankreich seit Jahresbeginn um 42,4 Prozent gestiegen sei. Dupont-Aignan erklärte daraufhin in einem Beitrag auf X, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der großen europäischen Staaten seien eine direkte Folge davon, dass die EU-Führung nicht bereit sei, die Sanktionen aufzuheben und eine politische Lösung für den Krieg in der Ukraine anzustreben. Der Beitrag auf X liegt öffentlich vor.
Ein Preisanstieg wird zur Anklage gegen Brüssel
Die politische Logik der Aussage ist einfach: Die Verbraucher spüren höhere Energiekosten unmittelbar, während der Zweck und die Folgen von Sanktionen schwerer im Alltag zu messen sind. Indem Dupont-Aignan beides direkt miteinander verknüpft, macht er aus einer wirtschaftlichen Belastung ein Argument gegen die EU und ihre gemeinsame Außenpolitik.
Der Anstieg des Gaspreises belegt jedoch für sich genommen nicht, dass die Sanktionen die alleinige oder unmittelbare Ursache sind. Energiepreise werden auch von globalen Liefermengen, Nachfrage, Wetter, Speichervorräten, Infrastruktur, Markterwartungen und geopolitischen Risiken beeinflusst. Eine eindeutige Kausalkette von den EU-Maßnahmen zu einem bestimmten Preisniveau lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten.
Dupont-Aignan stellt diese Differenzierung nicht in den Mittelpunkt. In seiner Darstellung erscheinen die Sanktionen als Ausgangspunkt der Krise, während der Krieg und der russische Umgang mit Energieabhängigkeiten in den Hintergrund treten. Kritiker seiner Position sehen darin eine Verkürzung, die politische Verantwortung neu verteilt: Nicht die russische Aggression, sondern die Reaktion der europäischen Regierungen wird zum Hauptproblem erklärt.
Eine wiederkehrende Verbindung zur französischen Rechten
Dupont-Aignan tritt voraussichtlich erneut als Kandidat für das Präsidentenamt an. Bei den drei vergangenen Präsidentschaftswahlen unterstützte er in der zweiten Runde Marine Le Pen. Ob er 2027 wieder genauso handeln wird, steht nicht fest. Die wiederholte Unterstützung hat Debout la France jedoch zu einem politischen Partner des Rassemblement National gemacht, auch wenn beide Parteien eigenständig bleiben.
Gemeinsam ist ihnen vor allem die Kritik an einer stärkeren europäischen Integration und an Maßnahmen, die sie als Einmischung Brüssels in nationale Entscheidungen darstellen. Hinzu kommt die Ablehnung einer langfristigen europäischen Unterstützung für die Ukraine. Dupont-Aignans Forderung nach einem Ende der Sanktionen fügt sich in dieses politische Umfeld ein, ohne dass daraus bereits ein formales Wahlbündnis für 2027 folgt.
Für den Parteichef bietet das Thema einen klaren Zugang zu Wählern, die unter hohen Lebenshaltungskosten leiden und der EU skeptisch gegenüberstehen. Eine konkrete Rechnung für französische Haushalte ist leichter zu vermitteln als der strategische Nutzen einer gemeinsamen Sanktionspolitik. Die Botschaft verbindet daher nationale Kaufkraft mit einem Angriff auf die europäische Entscheidungsstruktur.
Der Streit über Kosten und Verantwortung
Die Sanktionen wurden als Reaktion auf Russlands groß angelegten Angriff auf die Ukraine beschlossen. Ihre wirtschaftlichen Kosten sind Teil der politischen Auseinandersetzung, ändern aber nicht den Anlass, aus dem die EU sie verhängt hat. Wer ihre Aufhebung fordert, muss deshalb nicht nur die Belastung für europäische Verbraucher, sondern auch die möglichen Folgen für die europäische Position gegenüber Moskau berücksichtigen.
Dupont-Aignan behauptet, ein Ende der Sanktionen und eine Friedensregelung würden die wirtschaftlichen Probleme Europas lösen. Ob eine Aufhebung tatsächlich zu dauerhaft niedrigeren Gaspreisen führen würde, ist damit nicht geklärt. Sie könnte ebenso von anderen Marktbedingungen abhängen und die Abhängigkeit von einem politisch als Druckmittel eingesetzten Energielieferanten vergrößern.
Der Vorstoß ist deshalb mehr als eine einzelne Stellungnahme zur Energiepolitik. Er zeigt, wie der Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen im französischen Wahlkampf miteinander verbunden werden können: Die einen sehen in den Sanktionen ein notwendiges Instrument gemeinsamer europäischer Politik, die anderen ein Symbol für die Kosten und den Einfluss Brüssels. Über die weitere Unterstützung solcher Positionen wird letztlich nicht die Erklärung eines einzelnen Preisanstiegs entscheiden, sondern die Frage, wie französische Wähler Sicherheit, Energieversorgung und europäische Zusammenarbeit gegeneinander abwägen.
Weitere Angaben zu Dupont-Aignans Kritik veröffentlichte EA Daily.
