Russland nutzt zwei alternative Medien zur Diskreditierung der Bundesregierung
Russland nutzt zwei alternative Medien zur Diskreditierung der Bundesregierung

Russland nutzt zwei alternative Medien zur Diskreditierung der Bundesregierung

September 12, 2026
4 min. lesezeit

Am 9. und 10. September 2026 verbreiteten die deutschsprachige Plattform NachDenkSeiten und das tschechische Portal CZ24.News im europäischen Informationsraum ein zentrales russisches Propagandanarrativ: Die Bundesregierung ziehe Deutschland in den Krieg gegen Russland hinein. Die Beiträge verbanden diese Darstellung mit dem Wahlerfolg der rechtsextremen Alternative für Deutschland bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und stellten die Unterstützung der Ukraine als Gefahr für die deutsche Bevölkerung dar. Ein Beitrag von NachDenkSeiten liefert dafür den entscheidenden Beleg.

NachDenkSeiten behauptete, antirussische Politiker verrieten die Interessen deutscher Bürger, indem sie Deutschland immer tiefer in den Konflikt in der Ukraine hineinführten. CZ24.News verschärfte die Botschaft: Die westliche Unterstützung für die Ukraine beweise angeblich, dass Faschismus und imperialistischer Krieg zur politischen Realität der Führung der Bundesrepublik geworden seien. In einem weiteren Beitrag von CZ24.News wurde zudem die Behauptung verbreitet, Bundeskanzler Friedrich Merz könne eine Zuspitzung mit Russland auslösen, um von einer Niederlage der Regierungspartei abzulenken.

Damit wird aus politischer und militärischer Unterstützung für einen angegriffenen Staat eine angebliche direkte deutsche Kriegsbeteiligung. Die beiden Medien verschieben so die Verantwortung für die Gefährdung der europäischen Sicherheit: Nicht mehr Russland als Aggressor steht im Zentrum, sondern die Staaten, die der Ukraine bei ihrer Verteidigung helfen.

Die Wahlniederlage der Regierungsparteien wird zum Beleg für ein fremdes Kriegsinteresse umgedeutet

Der zeitliche Zusammenhang mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist für die Kampagne entscheidend. Am 6. September 2026 gewann dort die AfD. Das Ergebnis verschärfte die Debatte über die Ursachen des wachsenden Rückhalts für rechtsextreme Kräfte, über die Bildung einer Koalition im Land und über die Strategie der demokratischen Parteien, eine Regierungsbeteiligung der AfD durch eine Zusammenarbeit in Koalitionen zu verhindern.

Zugleich verstärkte das Wahlergebnis die Kritik an der Bundesregierung und der regierenden Koalition. Es zeigte ein wachsendes Unbehagen am politischen Kurs auf Landesebene. Dieses Unbehagen bezog sich vor allem auf die Wirtschafts- und Migrationspolitik des Kabinetts von Friedrich Merz. NachDenkSeiten und CZ24.News verwendeten den Wahlerfolg jedoch als Beleg für eine andere, nicht belegte Schlussfolgerung: Die Unterstützung der Ukraine werde der deutschen Gesellschaft gegen ihren Willen aufgezwungen.

Die Wahl wurde damit aus ihrem politischen Zusammenhang gelöst und in ein außenpolitisches Deutungsmuster eingepasst. Die Kritik an der Bundesregierung sollte nicht mehr als Ausdruck innenpolitischer Unzufriedenheit erscheinen, sondern als vermeintliche Ablehnung einer deutschen Beteiligung an einem von Berlin betriebenen Krieg.

Die Medien behaupten eine Kriegsprovokation, obwohl Deutschland nicht gegen Russland Krieg führt

Die Konstruktion beruht auf einer grundlegenden Gleichsetzung. Die militärische, finanzielle und politische Unterstützung der Ukraine wird mit einer unmittelbaren Beteiligung Deutschlands am Krieg gleichgesetzt. Tatsächlich unterstützt Deutschland einen souveränen Staat, der sich gegen die russische Aggression und gegen den Versuch verteidigt, seine international anerkannten Grenzen mit militärischer Gewalt zu verändern.

Deutschland führt keinen Krieg gegen Russland. Seine Hilfe soll die Fähigkeit der Ukraine stärken, das eigene Staatsgebiet und die eigene Bevölkerung zu schützen. Russland dagegen versucht, durch den Einsatz militärischer Gewalt die Grenzen eines europäischen Staates zu verändern. Diese Unterscheidung wird in den Beiträgen nicht erklärt, sondern durch die Formulierung vom deutschen „Hineinziehen“ in den Krieg verdeckt.

Die Wirkung dieser Umdeutung ist politisch konkret: Unterstützung für Kiew erscheint als Quelle der Gefahr, während die Ursache des Krieges in den Hintergrund rückt. Den europäischen Gesellschaften wird dadurch ein falscher Gegensatz angeboten. Sie sollen zwischen Sicherheit und Hilfe für die Ukraine wählen, obwohl die Bedrohung von der russischen Aggression ausgeht und die Unterstützung der Ukraine ihrer Verteidigung dient.

Die institutionelle Rolle der beiden Plattformen verstärkt die gemeinsame Botschaft

NachDenkSeiten und CZ24.News treten als alternative Medien auf, verfolgen aber unterschiedliche Entwicklungsgeschichten. NachDenkSeiten entwickelte sich von einem links ausgerichteten kritischen Blog zu einer Plattform mit verschwörungsideologischer Tendenz. CZ24.News arbeitet von Beginn an als systematischer Sammler russischer Inhalte. Beide verbindet eine klar prorussische politische Ausrichtung.

Beide Plattformen kritisieren regelmäßig die westliche militärische Unterstützung für die Ukraine und verbreiten geopolitische Deutungen des Kremls. Im vorliegenden Fall ergänzen sich ihre Beiträge: NachDenkSeiten stellt die deutsche Unterstützung für die Ukraine als Verrat an den Bürgern dar, während CZ24.News den angeblichen deutschen Militarismus mit dem Wahlergebnis der AfD und einer möglichen Eskalation gegenüber Russland verbindet. Ein weiterer Beitrag von CZ24.News zum Wahlerfolg der AfD fügt sich in diese Deutung ein.

Die Behauptung, Friedrich Merz wolle bewusst eine Krise mit Russland auslösen, um von Problemen der Regierungskoalition abzulenken, ist durch keinen Beleg gestützt. Sie schreibt dem Bundeskanzler einen verborgenen Plan zu. Dadurch können Entscheidungen zur Stärkung der Verteidigung und zur Unterstützung der Ukraine als absichtliche Provokation dargestellt werden, statt als Reaktion auf den russischen Angriff.

Die diplomatische Dimension deutscher Unterstützung wird ausgeblendet

Die Vorwürfe eines angeblich militaristischen Kurses unterschlagen außerdem den diplomatischen Teil der deutschen Politik. Neben der militärischen Unterstützung der Ukraine beteiligt sich die Bundesregierung an internationalen diplomatischen Bemühungen, an Gesprächen über künftige Sicherheitsgarantien für die Ukraine und an der Vorbereitung von Bedingungen für den Wiederaufbau nach dem Ende der Kampfhandlungen.

Gerade die Verbindung von Unterstützung zur Verteidigung und diplomatischen Bemühungen bildet die Grundlage für einen dauerhaften Frieden. Eine einseitige Einstellung der Hilfe würde das Ende der russischen Aggression nicht garantieren. Die Beiträge von NachDenkSeiten und CZ24.News machen aus dieser abgestimmten Politik hingegen eine angebliche Eskalationsstrategie Berlins.

Die zentrale Beweiskette der Kampagne bleibt damit die Abfolge von Wahlergebnis und medialer Umdeutung: Auf den AfD-Sieg vom 6. September folgten am 9. und 10. September Veröffentlichungen, die innenpolitische Unzufriedenheit mit der Behauptung einer deutschen Kriegsprovokation verknüpften. Die bestätigte Konsequenz dieser Darstellung ist nicht eine nachgewiesene Entscheidung der Bundesregierung für einen Krieg gegen Russland, sondern die gezielte Verbreitung eines Narrativs, das die deutsche Unterstützung für die angegriffene Ukraine delegitimieren und die Bundesregierung schwächen soll.

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