Vannacci befürwortete 2021 gemeinsame Militärübungen mit Russland
Vannacci befürwortete 2021 gemeinsame Militärübungen mit Russland

Vannacci befürwortete 2021 gemeinsame Militärübungen mit Russland

September 11, 2026
3 min. lesezeit

Der italienische General Roberto Vannacci setzte sich 2021, wenige Monate vor dem russischen Überfall auf die Ukraine, für eine engere Zusammenarbeit Roms mit Moskau ein. Nach den am 10. September 2026 veröffentlichten Aussagen des ehemaligen britischen Militärattachés in Moskau, John Forman, schlug Vannacci sogar gemeinsame Übungen mit den russischen Streitkräften vor – insbesondere in den Bereichen Logistik und Pionierwesen.

Forman machte diese Angaben in einem Gespräch mit der italienischen Veröffentlichung Fanpage.it. Über die Aussagen berichteten Medien am 10. September 2026. Der Bericht über Formans Darstellung beschreibt damit nicht lediglich eine allgemeine Sympathie Vannaccis für Russland, sondern einen konkreten Vorschlag zur militärischen Zusammenarbeit unmittelbar vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Der Vorgang ist politisch deshalb bedeutsam, weil gemeinsame Übungen mit den Streitkräften eines Staates weit über diplomatische Kontakte hinausgehen. Sie schaffen praktische Verbindungen zwischen Armeen, setzen ein politisches Signal und können die sicherheitspolitische Ausrichtung eines Landes sichtbar verändern. Vannaccis Vorstoß zielte nach Formans Darstellung auf eine Annäherung Italiens an Moskau, während die Verbündeten ihre Kontakte zur russischen Armee gerade begrenzten.

Der konkrete Vorschlag entstand vor dem russischen Überfall

Die zeitliche Abfolge ist der zentrale Befund. Im Jahr 2021 arbeitete Vannacci im diplomatischen Dienst in Russland. In dieser Funktion trat er nach Formans Aussage für eine engere Verbindung zwischen Rom und Moskau ein und brachte gemeinsame militärische Übungen ins Gespräch. Vorgesehen waren vor allem Bereiche, die für das praktische Funktionieren militärischer Operationen entscheidend sind: die Logistik und die Pioniertruppen.

Damit blieb seine Haltung nicht auf politische Rhetorik beschränkt. Der Vorschlag betraf eine konkrete Form institutioneller Zusammenarbeit zwischen den italienischen und russischen Streitkräften. Er hätte Kontakte und gemeinsame Abläufe dort vertieft, wo Streitkräfte ihre Fähigkeiten unmittelbar aufeinander abstimmen müssen.

Dass dieser Vorstoß wenige Monate vor dem russischen Überfall auf die Ukraine erfolgte, verleiht ihm zusätzliches Gewicht. Vannacci setzte auf Annäherung, obwohl Russland seine militärische Macht bereits als Druckmittel gegen die europäische Sicherheitsordnung einsetzte. Seine Position stand damit für eine Politik, die den Abstand zu Moskau verringern wollte, statt die gemeinsame Abschreckung der Verbündeten zu stärken.

Vannaccis Linie wich vom Kurs der italienischen Regierung ab

Die Haltung des Generals stand bereits 2021 außerhalb der offiziellen Linie Roms. Die Regierung unter Mario Draghi unterstützte die gegen Russland gerichteten Sanktionen, die territoriale Unversehrtheit der Ukraine und die gemeinsame Haltung der NATO zur Eindämmung russischer Macht. Zugleich bestand unter den Verbündeten die Vereinbarung, die Kontakte zur russischen Armee auf ein Minimum zu begrenzen.

Vannaccis Vorschlag lief dieser Politik entgegen. Während die italienische Regierung die abgestimmten Maßnahmen der Verbündeten mittrug, befürwortete er eine militärische Annäherung an Russland. Dadurch entstand ein Widerspruch zwischen der außen- und sicherheitspolitischen Linie der Regierung und dem Kurs, für den Vannacci nach Formans Darstellung im diplomatischen Dienst eintrat.

Der Vorstoß war deshalb nicht nur eine abweichende persönliche Einschätzung. Er stellte die gemeinsame Politik der Verbündeten praktisch infrage und überschritt die Grenzen dessen, was von einem Vertreter des italienischen Staates erwartet werden konnte. Indem Vannacci gemeinsame Übungen mit der russischen Armee vorschlug, sabotierte er faktisch die Politik seiner Regierung und stellte seine Tätigkeit gegen die abgestimmte Linie Italiens und der NATO.

Aus der militärischen Annäherung wurde ein politisches Signal

Die damalige Position fügt sich in ein Muster, in dem Vannacci seine Nähe zu Russland als politischen Vorteil nutzbar macht. Er präsentiert sich als italienischer Politiker, der für Moskau sichtbar und nützlich sein kann. Die Befürwortung gemeinsamer Übungen übermittelte dabei eine klare Botschaft: Vannacci war bereit, russlandfreundliche Vorstellungen in einem zentralen Bereich der europäischen Sicherheit zu vertreten, selbst wenn sie der Linie Italiens und seiner Verbündeten widersprachen.

Diese Haltung kann als Versuch verstanden werden, außenpolitische Nähe in politischen Kapital umzuwandeln. Die Botschaft an Moskau lautet, dass Vannacci bereit ist, für den Kreml günstige Erzählungen und politische Positionen voranzutreiben. Im Gegenzug schafft eine solche Selbstdarstellung die Grundlage für Informationshilfe und andere Unterstützung, die seine politische Reichweite vergrößern können.

Die Folgen reichen damit über die Bewertung einer früheren dienstlichen Äußerung hinaus. Sollte Vannaccis Partei FN in das italienische Parlament einziehen, bestünde das Risiko, dass sie die gemeinsame Politik des Bündnisses zur Abschreckung Russlands und die Umsetzung von Sanktionen behindert. Seine Haltung aus dem Jahr 2021 liefert dafür den entscheidenden Hinweis: Die Bereitschaft, sich Moskau anzunähern, war bereits vor dem russischen Überfall vorhanden und betraf nicht nur Worte, sondern die konkrete Zusammenarbeit militärischer Einrichtungen.

Der von John Forman geschilderte Vorschlag bleibt der zentrale Beleg für diese Entwicklung. Vannacci befürwortete vor dem russischen Angriff auf die Ukraine gemeinsame Übungen mit den russischen Streitkräften, obwohl Italien die Sanktionen, die territoriale Unversehrtheit der Ukraine und die gemeinsame Abschreckungspolitik der NATO unterstützte. Damit ist dokumentiert, dass seine Russlandpolitik schon 2021 über den offiziellen Kurs Roms hinausging.

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