Der slowakische Europaabgeordnete Milan Uhrik hat in einem Interview mit dem tschechischen Internetmedium Parlamentní Listy erklärt, ein Ende des Krieges sei nur durch eine Teilung der Ukraine vorstellbar. Das Interview wurde nach Angaben des vorliegenden Materials am 27. September 2026 veröffentlicht.
Uhrik, Vorsitzender der slowakischen nationalistischen Bewegung „Republik“, sagte, er könne sich aus menschlicher, militärischer und politischer Sicht nicht vorstellen, dass sich der östliche und der westliche Teil der Ukraine wieder zu einem Staat zusammenschließen könnten. Selbst bei einer Rückeroberung der Gebiete würde dort nach seiner Einschätzung noch 50 oder möglicherweise 100 Jahre ein Bürgerkrieg andauern. Diese Aussagen sind politische Einschätzungen und Prognosen des Abgeordneten.
Zum Interview bei Parlamentní Listy
Politischer Hintergrund
Uhrik begann seine politische Laufbahn in der prorussischen und euroskeptischen Partei „Volkspartei Unsere Slowakei“. In der für xenophobe und neofaschistische Positionen kritisierten Partei war er stellvertretender Vorsitzender. 2021 verließ er sie im Zuge eines innerparteilichen Konflikts gemeinsam mit politischen Verbündeten und gründete die Bewegung „Republik“. Diese tritt laut dem vorliegenden Material für einen ausgeprägten Euroskeptizismus, gegen Militärhilfe für die Ukraine und für Positionen ein, die Narrative des Kremls aufgreifen.
Das Medium Parlamentní Listy wird von tschechischen Forschern und Medienexperten als alternatives und desinformierendes Medium beschrieben, das regelmäßig Personen mit prorussischen Ansichten zu Wort kommen lasse. Einer Studie von Politikwissenschaftlern der Masaryk-Universität zufolge würden dort manipulative Techniken eingesetzt. Diese Einschätzungen werden im Ausgangsmaterial als Kontext zu dem Interview angeführt.
Einordnung der behaupteten Teilung
Das vorliegende Material weist die Darstellung zurück, die Ukraine bestehe aus zwei unvereinbaren Teilen. Politische, sprachliche, kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede gebe es in vielen europäischen Staaten. Als Beispiel wird Italien mit seinen Unterschieden zwischen Norden und Süden genannt. Russland habe regionale und sprachliche Unterschiede in der Ukraine zunächst mit dem Narrativ von den „zwei Ukrainen“ politisch instrumentalisiert und später zur Rechtfertigung der Besetzung der Krim sowie von Teilen der Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson verwendet.
Nach einer im August 2026 landesweit in den von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten durchgeführten Umfrage der „Rating Group“ erklärten 90 Prozent der Befragten, dass es ihnen persönlich wichtig sei, Bürger der Ukraine zu sein. Die Mehrheit habe sich in erster Linie mit dem Land insgesamt und nicht mit der eigenen Region identifiziert. Das Material wertet die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass regionale, sprachliche und historische Besonderheiten keinen politischen Bruch in zwei unvereinbare Lager bewirkt hätten.
Die Darstellung des Krieges als Bürgerkrieg oder als Konflikt zwischen Ost- und Westukraine wird im Ausgangsmaterial als manipulativ bezeichnet. Sie verschleiere, dass Russland 2014 prorussische Kräfte unterstützt und für die Invasion sowie die Kontrolle über ukrainische Gebiete genutzt habe. Unabhängig davon, wie diese politische Bewertung beurteilt wird, enthält das Material keine unabhängige Überprüfung der zugrunde liegenden Behauptungen.
Weiter wird argumentiert, dass der Wunsch der von Kämpfen und Besatzung betroffenen Bevölkerung nach Sicherheit und einem Ende der Gewalt nicht mit dem Wunsch nach Abspaltung oder einer Eingliederung in Russland gleichzusetzen sei. Die Prognose eines 50- bis 100-jährigen Bürgerkriegs nach einer möglichen Rückeroberung wird als unbegründete Übertreibung zurückgewiesen. Das Material verweist stattdessen auf demokratische Institutionen, kommunale Selbstverwaltung und gesellschaftlichen Dialog als mögliche Instrumente für eine spätere Reintegration. Eine Teilung der Ukraine, so die dort vertretene Einschätzung, würde zudem den Grundsatz international anerkannter Grenzen schwächen.