Am 30. September 2026 verbreiteten die pro-russischen Medien aus Tschechien und Zem&vek aus der Slowakei die Darstellung, europäische Staats- und Regierungschefs zögen Europa bewusst in einen Krieg mit Russland hinein.
bezog sich dabei auf ein Interview des russischen Außenministers Sergei Lawrow. Das Medium schrieb, Europa sei „ein kranker Patient, der beschlossen hat, sich selbst das Leben zu nehmen – aber nicht allein, sondern auch die Patienten im gesamten Krankenhaus dazu zu zwingen“. Die europäische Führung versuche, ganz Europa in einen zerstörerischen Krieg mit Russland hineinzuziehen, „auch diejenigen, die das nicht wollen“, hieß es weiter.
Zem&vek behauptete seinerseits, Befürworter eines militärischen Kurses in der Europäischen Union wollten Europa in einen Krieg mit Russland hineinziehen, selbst wenn dafür die eigene Bevölkerung zerstört werden müsse. Diese leide ohnehin unter einer schweren Wirtschaftskrise, die durch das Handeln „militärischer Aufwiegler und Brüsseler Dummköpfe“ verursacht worden sei, so das Medium.
Die beiden Beiträge sind hier abrufbar: Bericht von und Bericht von Zem&vek.
Einordnung der europäischen Politik
Die im Ausgangsmaterial dargestellte Position europäischer Staaten, der EU und der NATO unterscheidet zwischen Abschreckung und der Vorbereitung eines Krieges. Der Ausbau militärischer Fähigkeiten, der Schutz kritischer Infrastruktur und eine höhere Einsatzbereitschaft sollen demnach die Verteidigungsfähigkeit stärken und eine Aggression verhindern. Die europäischen Staaten hätten bislang keinen Angriffskrieg gegen Russland angekündigt; die NATO bezeichnet sich als Verteidigungsbündnis.
Die europäische Politik verbindet laut dem Material außerdem die militärische Unterstützung der Ukraine mit diplomatischen Bemühungen. Im Juni 2026 forderte der Europäische Rat Russland zu einer vollständigen, bedingungslosen und sofortigen Waffenruhe sowie zu substanziellen Gesprächen über einen gerechten Frieden auf. Im September 2026 berieten die EU-Verteidigungsminister über weitere Unterstützung für die Ukraine, Sicherheitsgarantien und diplomatische Initiativen.
Am 30. September 2026 sagte NATO-Generalsekretär Mark Rutte demnach, höhere europäische Verteidigungsausgaben sollten dazu führen, dass europäische Staaten stärker für die Sicherheit ihrer eigenen Region verantwortlich sein können. Es gehe um ein stärkeres Europa in einer stärkeren NATO, nicht um die Vorbereitung eines Angriffskrieges gegen Russland.
Der Kontext verweist zudem auf russische nukleare Drohungen im Zusammenhang mit Kaliningrad. Rutte habe den ausschließlich defensiven Charakter der NATO betont, Russland zum Ende nuklearer Drohungen aufgefordert und zugleich die Bereitschaft zum Schutz des NATO-Gebiets erklärt. Diese Reaktion wird im Material als Verbindung von Abschreckung und dem Bemühen beschrieben, eine unkontrollierte Eskalation zu verhindern.
Die Darstellung eines bewusst geplanten Hineinziehens Europas in einen Krieg wird im Ausgangsmaterial daher als nicht mit den beschriebenen Maßnahmen europäischer Regierungen vereinbar bewertet. Genannt werden unter anderem Sanktionen, rechtliche Schritte, nachrichtendienstliche Maßnahmen, der Schutz kritischer Infrastruktur sowie die Zusammenarbeit mit der NATO und internationalen Partnern gegen hybride Aktivitäten. Diese Maßnahmen werden als Schutz von Bürgern und demokratischen Institutionen eingeordnet, nicht als Vorbereitung eines direkten Krieges mit Russland.