Offshore-Windräder stehen in einer Reihe auf offener See.
Betreiber und Vermarkter von Windparks drängen zunehmend auf den Markt für Regelreserve. (Symbolbild)Quelle: dpa

Offshore-Windparks drängen in den Regelreservemarkt

November 5, 2026
1 min. lesezeit

Betreiber von Offshore-Windparks drängen verstärkt in den deutschen Regelreservemarkt. Dort können sie Geld verdienen, wenn sie die Einspeisung drosseln statt Strom ins Netz zu liefern.

Der Markt für Regelleistung gleicht Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch aus. Netzbetreiber und Anbieter halten Windparks dafür nach einer Qualifizierung grundsätzlich für geeignet, einen Beitrag zur Netzstabilität zu leisten.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur bleibt der Beitrag der Windkraft bislang aber sehr klein. 50Hertz teilte mit, mehrere Offshore-Windparks befänden sich in der sogenannten Präqualifizierung.

Ein Sprecher von 50Hertz sagte: „Das Interesse, am Regelleistungsmarkt teilzunehmen, steigt“. Auch Tennet beobachtet nach eigenen Angaben ein wachsendes Interesse von Windparkbetreibern, auch im Offshore-Bereich.

Der Ausbau neuer Offshore-Windparks verläuft zugleich langsamer, weil Netzanschlüsse verzögert werden und die Kosten steigen. Vattenfall teilte mit, erstmals Regelenergie auf See zu vermarkten.

Nach Angaben des Unternehmens ist der Windpark Veja Mate im Tennet-Netzgebiet präqualifiziert. Er liegt rund 95 Kilometer nordwestlich von Borkum und besteht aus 67 Turbinen.

Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik teilte mit, die aktuellen Präqualifizierungen deuteten darauf hin, dass Offshore-Windparks stärker als Flexibilitätsoption für den Regelenergiemarkt erschlossen werden. Vor allem negative Regelleistung kommt dafür in Betracht: Die Anlagen reduzieren dann auf Abruf ihre Einspeisung.

50Hertz zufolge kann es sich an manchen Tagen für Betreiber lohnen, auf Einspeisung zu verzichten, statt an den Strombörsen nur geringe Erlöse zu erzielen. Die Turbinen werden dafür aus dem Wind gedreht; der Stillstand wird als negative Regelleistung vermarktet.

Positive Regelleistung ist für Windparks nach Einschätzung des Fraunhofer IEE schwieriger. Dafür müssten Anlagen vorsorglich gedrosselt werden, um Leistung für einen möglichen Abruf vorzuhalten. Das bedeute vermeidbare Eingriffe in erneuerbare Energie und sei meist nicht wettbewerbsfähig.

Traditionell übernehmen Pumpspeicher, Gaskraftwerke und Batteriespeicher diese Aufgabe. Fraunhofer IEE verwies zugleich darauf, dass Batterien in der Regel effizienter seien, ihr Netzanschluss für Projektentwickler aber schwieriger werde.

Die Bundesregierung plant zudem einen Mindeststrompreis. Ob und wann er kommt, ist nach den vorliegenden Angaben offen.

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