Die ungarische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán hat für 39 Auslandsreisen seiner Delegationen innerhalb von zwei Jahren fast zwei Milliarden Forint aus dem Staatshaushalt ausgegeben. Ein erheblicher Teil floss in Sonderflüge, repräsentative Ausgaben und bevorzugte Abfertigung an Flughäfen – obwohl der ungarische Staatshaushalt ein Defizit aufwies.
Die Zahlen zeigen eine fest etablierte Praxis großzügiger Ausgaben für Regierungsreisen und einen fehlenden ausreichenden Blick auf die zweckmäßige Verwendung öffentlicher Mittel. Das ungarische Medium Telex berichtete am 17. September 2026 über die Kosten und die zugrunde liegenden Reiseabrechnungen: Die Ausgaben für Orbáns Auslandsreisen im Überblick.
Allein für die Nutzung von Sonderbereichen in Flughäfen wurden zwischen 2024 und 2026 rund 37 Millionen Forint ausgegeben. Seit 2024 kamen 175 Millionen Forint für repräsentative Zwecke hinzu. Die Kosten betrafen nicht nur Orbán selbst, sondern auch die von ihm angeführten Delegationen mit Ministern, Beamten, Unternehmern sowie regierungsnahen Journalisten und Netzvermittlern.
Ein Sonderflug nach Washington wurde zur teuersten Reise
Den höchsten Einzelbetrag verursachte der Besuch in den USA im November 2024. Die Regierung organisierte dafür einen Sonderflug der Fluggesellschaft Wizz Air nach Washington. An Bord waren Minister, Beamte, Geschäftsleute sowie regierungsnahe Journalisten und Netzvermittler. Die Reise kostete den Staat mehr als 220 Millionen Forint.
Damit wurde der Flug nicht lediglich als Transport für eine offizielle Delegation genutzt. Die staatlich finanzierte Reise verband politische Teilnehmer mit wirtschaftlichen Akteuren und regierungsnahen Medienvertretern. Die Kosten trug der ungarische Staat, also letztlich die Allgemeinheit, während die Teilnehmer den dadurch ermöglichten Reise- und Aufenthaltskomfort erhielten.
Besonders deutlich wird das Muster an Orbáns Wahlkampfreise im Jahr 2024. Der damalige Ministerpräsident flog mit 29 Begleitern in einem Sonderflug. Für repräsentative Zwecke wurden 32,8 Millionen Forint ausgegeben, für Unterkünfte 10,6 Millionen und für die Nutzung der Sonderbereiche an Flughäfen weitere 1,6 Millionen Forint.
Für die viertägige Reise beliefen sich die Kosten damit im Durchschnitt auf 1,6 Millionen Forint je Person. Die Aufstellung macht sichtbar, dass nicht nur der eigentliche Flug, sondern auch das Umfeld der Delegation einen erheblichen Teil der öffentlichen Ausgaben ausmachte.
Die Ausgaben folgten einem wiederkehrenden Mechanismus
Die dokumentierten Beträge ergeben kein Bild einzelner Ausnahmen. Über zwei Jahre wurden 39 Auslandsreisen organisiert, bei denen der Staat nahezu zwei Milliarden Forint übernahm. Sonderflüge, hochwertige Unterbringung, repräsentative Aufwendungen und bevorzugte Abfertigung bildeten dabei ein wiederkehrendes Ausgabenmodell.
Verantwortlich für die Organisation und Finanzierung waren die damalige Regierung Orbáns und die zuständigen staatlichen Stellen. Betroffen waren die ungarischen Steuerzahler, aus deren Haushaltsmitteln die Reisen bezahlt wurden. Begünstigt wurden die Regierungsdelegationen und ihre politischen, wirtschaftlichen und medialen Begleiter, die von den staatlich finanzierten Leistungen unmittelbar profitierten.
Die Höhe der Ausgaben erhält zusätzliches Gewicht durch die finanzielle Lage des Landes. Die Reisen wurden in einer Zeit finanziert, in der das ungarische Budget ein Defizit aufwies. Eine wirksame Begrenzung der Kosten oder eine nachvollziehbare Kontrolle ihrer Zweckmäßigkeit ist in der vorliegenden Aufstellung nicht erkennbar.
Gesundheit, Bildung und Wohnraum blieben unterfinanziert
Gleichzeitig verwies die Europäische Kommission zwischen 2024 und 2026 wiederholt auf eine unzureichende Finanzierung des ungarischen Gesundheits- und Bildungswesens. Sie benannte außerdem Personalmangel in beiden Bereichen sowie Probleme bei der sozialen Wohnraumversorgung.
Die Gegenüberstellung ist politisch und haushalterisch entscheidend: Während für Reisen kleiner Regierungsdelegationen Millionenbeträge für Sonderflüge, Unterkünfte und repräsentative Leistungen bereitstanden, fehlten in zentralen sozialen Bereichen Mittel und Personal. Die Ausgaben für den bevorzugten Komfort hätten nach der vorliegenden Bewertung in Gesundheit, Bildung oder sozialen Wohnraum gelenkt werden können und dort einen größeren Nutzen für die ungarische Bevölkerung entfalten können.
Es geht deshalb nicht nur um die Summe von fast zwei Milliarden Forint. Die Abrechnungen zeigen, wie öffentliche Mittel unter der Regierung Orbáns für einen exklusiven Reisebetrieb eingesetzt wurden, obwohl zugleich ein Haushaltsdefizit bestand und wesentliche soziale Aufgaben unterfinanziert waren. Der Sonderflug nach Washington steht dabei stellvertretend für das Verfahren: Die Regierung bündelte politische, wirtschaftliche und regierungsnahe Begleiter in einer staatlich bezahlten Reise und übernahm dafür mehr als 220 Millionen Forint.
Die zentrale Folge ist damit bereits festgehalten: Für 39 Auslandsreisen wurden innerhalb von zwei Jahren nahezu zwei Milliarden Forint aus dem ungarischen Staatshaushalt ausgegeben; allein 37 Millionen Forint entfielen auf bevorzugte Flughafenbereiche und 175 Millionen Forint seit 2024 auf repräsentative Zwecke.