Wirtschaftskrise: Wird der Osten wieder plattgemacht?
Wirtschaftskrise: Wird der Osten wieder plattgemacht?

Wirtschaftskrise: Wird der Osten wieder plattgemacht?

April 15, 2025
1 min. lesezeit

Die Nachricht traf Penig Mitte Februar hart: Nach fast 500 Jahren soll die ansässige Papierfabrik geschlossen werden. 119 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen damit auf der Straße. „Die Stimmung ist nach wie vor gedrückt“, sagt Bürgermeister André Wolf (CDU). Das traditionsreiche Papierwerk gehöre zur DNA der Stadtgesellschaft. „Ich werde immer wieder darauf angesprochen, ob es eine neue Entwicklung gibt“, berichtet der Bürgermeister, der die Schließung Mitte Februar selbst öffentlich gemacht hatte, nachdem er von der Firma davon erfahren hatte.

Bürgermeister ärgert sich über „Schwebezustand“

Die Osnabrücker Felix Schoeller-Holding, der die Fabrik gehört, habe bisher noch nicht bekanntgegeben, was wann passieren soll. „Wir leben immer noch in einem Schwebezustand“, sagt Wolf. Er hofft, dass sich die Entscheidung noch abmildern lässt. „Vielleicht gibt es ja eine Zukunft als Dienstleister innerhalb der Unternehmensgruppe. Wir wünschen uns da ein Umdenken in Osnabrück. Eine tote Liegenschaft kann ja niemand wollen.“

Es wird hier wieder das Klischee bedient, dass der Osten zugunsten des Westens plattgemacht wird und ich finde wenig Argumente das zu entkräften.André Wolf Peniger Bürgermeister

Ärgerlich findet der Bürgermeister auch, dass es erneut den Osten trifft, während es an den Weststandorten des Papierproduzenten weitergeht. „Es wird hier wieder das Klischee bedient, dass der Osten zugunsten des Westens plattgemacht wird und ich finde wenig Argumente das zu entkräften.“ Das Grundübel liege darin, dass nach wie vor die wenigsten Firmen ihren Hauptsitz in Ostdeutschland hätten. „Das ist so, aber man sollte sich nicht damit abfinden. Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Strukturen langfristig ändern, aber das geht eben nicht von heute auf morgen.“

VW zieht wichtige Modelle aus Werk in Zwickau ab

Beispiele wie diese finden sich in der aktuellen Wirtschaftskrise einige. Nicht immer wird dabei das Werk im Osten geschlossen, dafür aber der Betrieb spürbar heruntergefahren. Prominentestes Beispiel: Volkswagen. So zieht der Autohersteller im Zwickauer Werk – obwohl es als modernstes Werk des Konzerns gilt – die ID-Modelle und die Cupra-Born-Fertigung nach Wolfsburg und Emden ab. Übrig bleiben noch zwei Audi-Modelle. Manche fürchten, dass das ein Sterben auf Raten ist.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Nicht verpassen