Philippe Aghion steht auf einer Bühne bei einer Veranstaltung der BMW Foundation.

Aghion fordert Verhandlungen Europas mit China über E-Autos und Technologie

November 5, 2026
1 min. lesezeit

Der französische Ökonom und Nobelpreisträger Philippe Aghion hat bei einem Interview in Berlin dazu aufgerufen, dass Europa mit China über Elektroautos und Technologie verhandeln sollte. Er sagte am 16. Oktober beim Leaders Collaboration Forum der BMW Foundation, Europa könne China einen Markt für E-Autos bieten, wenn diese in Europa mit europäischen Arbeitskräften produziert würden, und im Gegenzug Technologie erhalten.

„Ich glaube, wir sollten mit den Chinesen verhandeln“, sagte Aghion. Falls China sich darauf nicht einlasse, müsse Europa mit Zöllen und Protektionismus Druck aufbauen, fügte er hinzu.

Aghion, der 2025 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, verbindet seine wirtschaftspolitischen Forderungen mit einem breiten Appell an Europa. Er hält den Kontinent für zu langsam und zu bürokratisch und sagt, Innovation werde nicht aus Brüssel kommen.

Stattdessen plädiert er für eine Koalition williger Staaten, die eine Darpa-ähnliche Forschungs- und Entwicklungsinstitution aufbauen, Technologiemärkte integrieren und gemeinsame institutionelle Investoren schaffen soll. Nach seiner Darstellung brauche Europa dafür mehr Geschwindigkeit und weniger institutionelle Blockaden.

Auch zur Energiepolitik äußerte sich Aghion deutlich. Deutschland solle den Atomausstieg aufgeben, sagte er, und Kernenergie als Ergänzung zu den erneuerbaren Energien nutzen. Er verwies darauf, dass es in Deutschland keine Erdbeben gebe und deshalb kein entsprechendes Risiko bestehe.

Zugleich betonte Aghion, Europa verfüge über wichtige Stärken: Geld, gut ausgebildete Fachkräfte, solide Bildungssysteme, soziale Sicherungssysteme und billige Energie, wenn Kernkraft verfügbar sei. Er warnte jedoch davor, technologische Veränderungen zu verschleppen.

Bei der Frage nach künstlicher Intelligenz sprach er sich für Regulierung aus, allerdings nicht für eine übermäßige. Schulen sollten nach seiner Ansicht keine Tablets, Computer oder Smartphones einsetzen. Als Beispiel für den Umgang mit Arbeitsplatzverlusten nannte er das dänische Modell der Flexicurity, das seinen Angaben zufolge zwei Jahre lang 90 Prozent des früheren Gehalts absichert.

Aghion wurde 1956 in Paris geboren und ist Professor am Collège de France und an der London School of Economics. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf innovationsgetriebenem Wachstum und der von ihm beschriebenen „schöpferischen Zerstörung“.

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