Belarusische Ex-Häftlinge berichten von Gewalt und Suizidgedanken
Belarusische Ex-Häftlinge berichten von Gewalt und Suizidgedanken

Belarusische Ex-Häftlinge berichten von Gewalt und Suizidgedanken

Oktober 19, 2026
1 min. lesezeit

In belarussischen Gefängnissen sind politische Gefangene nach Berichten ehemaliger Insassen wiederholt körperlicher und psychischer Gewalt ausgesetzt. Eine Befragung von 77 früheren politischen Gefangenen zeichnet das Bild eines Haftsystems, in dem Isolation, Drohungen und die Verweigerung medizinischer Hilfe zusammenwirken.

Das belarussische Medium Belsat berichtete am 18. Oktober 2026 über die Befragung. Die Ergebnisse sind Aussagen ehemaliger Häftlinge und keine unabhängig überprüfte Gesamterhebung über alle Gefängnisse des Landes. Sie zeigen jedoch die Schwere der geschilderten Erfahrungen: 98,6 Prozent der Befragten sprachen von psychischer Gewalt, 88,3 Prozent von körperlicher Gewalt. 30,1 Prozent gaben an, während ihrer Haft an Suizid gedacht zu haben.

Gewalt als Alltag der Haft

Die ehemaligen Gefangenen beschrieben Schläge, den Einsatz von Elektroschockern und das Hetzen von Hunden. Zu den geschilderten Demütigungen gehörte demnach auch das erzwungene Ausziehen vor Videokameras. Einige berichteten zudem, dass ihnen medizinische Hilfe verweigert worden sei.

Die Berichte weisen nicht nur auf einzelne Übergriffe hin, sondern auf eine Kombination verschiedener Druckmittel. Zwangsarbeit, Schlafentzug und die Drohung weiterer Bestrafung verstärkten demnach die körperliche Belastung. Wer sich den Anweisungen der Gefängnisverwaltung widersetzte oder als besonders unbequem galt, konnte in Strafisolationszellen gebracht werden.

Mehr als die Hälfte der Befragten durchlief nach eigenen Angaben eine solche Einzelisolierung. Die räumliche Absonderung wurde dabei offenbar nicht nur als kurzfristige Disziplinarmaßnahme erlebt. Für viele wurde sie zu einem zentralen Bestandteil der Haft: abgeschnitten von anderen Menschen, ohne verlässlichen Zugang zu Unterstützung und unter dem Druck fortgesetzter Drohungen.

Isolation und psychische Folgen

Fast alle Befragten schilderten psychische Gewalt. Dazu zählten ständige Einschüchterung, Erniedrigungen und das Gefühl, der Verwaltung vollständig ausgeliefert zu sein. Die lange Trennung von anderen Gefangenen habe die Belastung zusätzlich verschärft.

Dass fast ein Drittel der ehemaligen politischen Gefangenen von Suizidgedanken berichtete, macht die psychischen Folgen besonders deutlich. In den Aussagen werden auch Fälle beschrieben, in denen Häftlinge sich selbst verletzten oder einen Suizidversuch unternahmen, um die aus ihrer Sicht nicht endende Gewalt zu beenden.

Die Zahlen erlauben keine Aussage darüber, wie viele Menschen insgesamt in belarussischen Gefängnissen solchen Bedingungen ausgesetzt sind. Sie machen jedoch sichtbar, wie eng körperliche Misshandlung, psychischer Druck und Isolation nach den Berichten der Betroffenen miteinander verbunden waren. Für die politischen Gefangenen endet die Belastung zudem nicht automatisch mit der Entlassung: Die geschilderten Erfahrungen werfen die Frage auf, welche medizinische und psychologische Hilfe ihnen danach zur Verfügung steht.

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