Eine koordinierte Kampagne pro-russischer Netzwerke hat in Frankreich soziale Unzufriedenheit mit der Unterstützung der Ukraine verknüpft. Zwischen dem 2. September und dem 14. Oktober wurden 639 Beiträge in vier europäischen Sprachen verbreitet – nach einer Untersuchung von Alliance4Europe in 22 synchronisierten Wellen mit insgesamt rund 7,4 Millionen Aufrufen.
Im Mittelpunkt standen Sorgen über die Lebenshaltungskosten. Die verbreiteten Botschaften legten nahe, dass die Hilfe für die Ukraine zulasten des Wohlstands französischer Haushalte gehe. Zugleich versuchten die Netzwerke, diese Sorgen im Vorfeld der für den 17. Oktober angekündigten Proteste gegen die französische Unterstützung für die Ukraine zu verstärken und politisch umzulenken.
Soziale Forderungen als Argument gegen die Ukraine-Hilfe
Die Kampagne nutzte damit keinen neuen Konflikt, sondern eine bereits vorhandene gesellschaftliche Spannung. Preissteigerungen, Kaufkraft und Unzufriedenheit mit der Regierung wurden in einen außenpolitischen Deutungsrahmen gestellt: Wer gegen hohe Lebenshaltungskosten protestiert, sollte demnach auch die Unterstützung für Kyjiw ablehnen.
Gerade diese Verbindung macht die Methode wirksam. Ein Beitrag über Mieten, Lebensmittelpreise oder sinkende Kaufkraft kann zunächst wie gewöhnliche politische Kritik erscheinen. In der koordinierten Verbreitung wird daraus jedoch ein wiederkehrendes Narrativ, das innenpolitischen Unmut mit der Frage nach europäischer Solidarität mit der Ukraine verbindet. Die sozialen Anliegen der Protestierenden werden dabei nicht unbedingt bestritten, sondern für eine andere politische Botschaft eingesetzt.
Die Untersuchung von Alliance4Europe ordnet die Aktivitäten der Operation Doppelgänger zu, einem Netzwerk, das bereits durch die Verbreitung manipulativer Inhalte und die Nachahmung etablierter Medienmarken bekannt geworden ist. Die konkrete Auswertung bezieht sich auf die Beiträge, die im genannten Zeitraum in französischer, englischer, polnischer und deutscher Sprache registriert wurden. Dass ein Beitrag verbreitet oder angesehen wurde, belegt dabei nicht automatisch, dass er die Haltung der jeweiligen Nutzer verändert hat. Die Reichweite zeigt jedoch, wie groß die potenzielle Öffentlichkeit der Kampagne war.
Mehrsprachige Verbreitung über Frankreich hinaus
Die Verwendung mehrerer Sprachen weist auf eine Strategie hin, die nicht auf das französische Publikum begrenzt blieb. Identische oder eng verwandte Botschaften können so gleichzeitig in verschiedenen europäischen Informationsräumen auftauchen. Ein Thema, das in Frankreich an die Lebenshaltungskosten und Proteste anknüpft, lässt sich in anderen Ländern an lokale Konflikte über Staat, Preise oder die Unterstützung der Ukraine anpassen.
Damit wird die politische Wirkung nicht nur über einzelne Falschbehauptungen angestrebt. Entscheidend ist die wiederholte Verbindung von Misstrauen gegenüber der Regierung, wirtschaftlicher Unsicherheit und Ablehnung weiterer Hilfe für die Ukraine. Werden solche Botschaften in mehreren Ländern parallel verbreitet, können sie den Eindruck verstärken, Europas Regierungen entfernten sich von den Interessen ihrer eigenen Bevölkerung.
Über die Untersuchung und die Kampagne berichteten Medien am 21. Oktober 2026, darunter BFM TV. Die zentrale offene Frage bleibt, wie stark die digitale Verstärkung die Proteste selbst beeinflusste. Fest steht nach der ausgewerteten Verbreitung, dass soziale Unzufriedenheit gezielt als politisches Argument gegen die Ukraine-Unterstützung aufbereitet wurde.
