Offshore-Windpark mit mehreren Windrädern im Meer
Offshore11.10.2026 | 2:37 min

Offshore-Ausbau in Deutschland gerät durch Netzprobleme und schwache Auktionen unter Druck

Oktober 12, 2026
1 min. lesezeit

Der Ausbau der Offshore-Windkraft in Deutschland stockt wegen Verzögerungen beim Netzanschluss, sinkender Strompreise, steigender Kosten und ausbleibender Nachfrage bei Auktionen. Mehrere geplante Projekte stehen dadurch auf der Kippe, auch Teile der Lieferkette geraten unter Druck.

Die damalige Bundesregierung hatte 2022 beschlossen, dass sich die Offshore-Windkraft bis 2030 in Deutschland fast verdreifachen soll. Dieses Ziel bleibt damit unter Vorbehalt, denn der Ausbau kommt deutlich langsamer voran als geplant.

Die Konzerne BP und TotalEnergies halten sich offen, geplante Projekte doch nicht umzusetzen. Als Grund nennen sie Verzögerungen beim Bau der Netzanschlüsse, über die der Strom vom Meer an Land gebracht werden soll.

Das Offshore-Joint-Venture GERA Nex bp spricht gegenüber ZDFheute von Verzögerungen von mehr als drei Jahren beim Netzanschluss für einen geplanten Windpark. Der Sprecher sagte: „Eine Verzögerung verursacht signifikante Kosten. Als wir 2023 den Zuschlag bekommen haben, war die Situation eine ganz andere.“

Seit Mitte 2025 hat die Bundesnetzagentur keine neuen Windpark-Flächen vergeben, weil kein Unternehmen Interesse hatte und Auktionen ausfielen. Die Bundesregierung plant deshalb einen Mindeststrompreis für Offshore-Windparks, falls im Bieterverfahren niemand für eine Fläche zahlen will.

Der Bundestag hat den entsprechenden Gesetzentwurf in dieser Woche beraten. Der Bundesverband Windenergie Offshore fordert, dass Unternehmen bereits vergebene Meeresflächen zurückgeben dürfen und diese neu ausgeschrieben werden; im Entwurf ist das nicht vorgesehen.

Auch Zulieferer erwarten Folgen. Im niedersächsischen Nordenham beschäftigt der Fundamenthersteller Steelwind 800 Menschen. Geschäftsführer Korbinian Ott sagte: „2028 erwarten wir wahrscheinlich, dass wir mindestens ein halbes Jahr, wenn nicht sogar länger, eine Kurzarbeitsphase haben werden.“

Andreas Mummert von der Stiftung Offshore-Windenergie nennt als weitere Gründe für den stockenden Ausbau schlechte gesetzliche Rahmenbedingungen, Kostensteigerungen sowie Unternehmen, die sich verspekuliert und verkalkuliert haben.

Wenn Projekte nicht wie geplant realisiert werden, können Milliardenaufträge ausfallen und Fabriken ins Stocken geraten. In den vergangenen Jahren hatten sich Stahlwerke und Turbinenhersteller auf mehr Nachfrage eingestellt, während große Energiekonzerne sich Meeresflächen sicherten und dafür in Versteigerungen Milliardensummen boten.

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