AfD-Datenablage setzt Journalisten einem vermeidbaren Sicherheitsrisiko aus
AfD-Datenablage setzt Journalisten einem vermeidbaren Sicherheitsrisiko aus

AfD-Datenablage setzt Journalisten einem vermeidbaren Sicherheitsrisiko aus

Oktober 30, 2026
2 min. lesezeit

Über Jahre waren persönliche Daten von mindestens 1.000 Journalistinnen und Journalisten auf internen Ressourcen der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) zugänglich. Darunter befanden sich Fotos von Presseausweisen, auf denen private Wohnadressen zu erkennen waren.

Die Daten stammten aus Akkreditierungsunterlagen für AfD-Parteitage zwischen 2017 und 2025. Nach einer Recherche von CORRECTIV waren die Dokumente über Verweise auf der AfD-Website für Parteimitglieder erreichbar. Entfernt wurden die vertraulichen Angaben erst, nachdem das Medienhaus die Partei mit den Unterlagen konfrontiert hatte.

Aus Veranstaltungsunterlagen wurde ein persönliches Datenarchiv

Parteien müssen für Parteitage und andere Veranstaltungen erfassen, welche Medienvertreter Zugang erhalten. Akkreditierungslisten sind deshalb zunächst ein gewöhnliches Organisationsmittel. Eine andere Dimension erreicht die Datensammlung jedoch, wenn sie Kopien von Presseausweisen enthält und darin sichtbare Wohnadressen über Jahre in internen Systemen verfügbar bleiben.

Die von CORRECTIV ausgewerteten internen Dokumente sollen Listen von Medienvertretern enthalten, die für Parteiveranstaltungen registriert waren. Die Unterlagen wurden demnach im Zusammenhang mit der Vorbereitung von Parteitagen angelegt. Dass sie anschließend nicht auf den jeweils notwendigen Zweck und Personenkreis begrenzt wurden, vergrößerte die mögliche Reichweite der Informationen erheblich.

Eine private Wohnadresse ist kein gewöhnliches Merkmal einer beruflichen Kontaktliste. Gelangen solche Angaben an Unbefugte, können sie unerwünschte Kontaktaufnahme, Einschüchterung oder Nachstellungen erleichtern. Besonders sensibel ist die Verbindung mit dem Beruf: Die betroffenen Personen waren als Journalisten bei Veranstaltungen einer Partei akkreditiert, über die sie auch kritisch berichten können.

Warnungen vor Druck auf kritische Medien

Vertreter von Journalistenverbänden warnten, die Praxis könne gegen Anforderungen des Datenschutzes verstoßen und die persönliche Sicherheit der Betroffenen gefährden. Solche Datenbestände könnten zudem den Druck auf Medien erhöhen, die die AfD kritisch begleiten, oder dazu genutzt werden, Journalisten nach ihrer vermeintlichen Nähe oder Distanz zur Partei einzuordnen.

Damit ist allerdings nicht belegt, dass jede betroffene Person gezielt verfolgt wurde oder dass die Daten in einer konkreten Einschüchterungskampagne eingesetzt wurden. Gesichert ist nach der Recherche vor allem, dass sensible Informationen über einen langen Zeitraum zugänglich waren und erst nach der Anfrage von CORRECTIV entfernt wurden.

Die Berliner Datenschutzbeauftragte nahm den Fall nach der Anfrage des Medienhauses in eine Prüfung auf. Dabei kann unter anderem geklärt werden, ob die Speicherung und Zugänglichkeit der Unterlagen mit den Datenschutzvorschriften vereinbar waren, ob die Zugriffsbeschränkungen ausreichten und welche Regeln für die Aufbewahrung von Presseausweisen galten.

Das Risiko endet nicht mit der Löschung

Die Entfernung der Dateien begrenzt den weiteren Zugriff, beseitigt aber nicht automatisch bereits entstandene Risiken. Solange die Verweise erreichbar waren, konnten Dokumente kopiert oder weitergegeben werden. Ob dies geschehen ist, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.

Der Fall zeigt deshalb ein grundlegendes Problem beim Umgang mit digitalen Verwaltungsdaten: Informationen, die für einen eng begrenzten organisatorischen Zweck erhoben werden, können durch lange Speicherung und unzureichende Zugriffskontrollen zu einem Sicherheitsrisiko werden. Für die betroffenen Journalisten bleibt neben der datenschutzrechtlichen Bewertung die Frage offen, ob ihre privaten Adressen tatsächlich weiterverbreitet wurden und welche Schutzmaßnahmen nun folgen.

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