Der frühere BND-Präsident August Hanning sitzt wegen des Verdachts auf Spionage und versuchten Landesverrats in Untersuchungshaft.
Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe setzte den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Vollzug, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mitteilte. Hanning war am Dienstag im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen festgenommen worden.
Die Bundesanwaltschaft wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor. Auch sein früherer BND-Büroleiter Manfred D. wurde in Haft genommen; Beamte des Bundeskriminalamts fassten ihn im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sollen Hanning und D. vermutlich 2010 vereinbart haben, dass D. dem früheren BND-Präsidenten gegen Bezahlung fortlaufend Erkenntnisse beschafft. Die Ermittler gehen davon aus, dass Hanning über möglicherweise zwölf Jahre Informationen erhielt, die ausschließlich für interne Angelegenheiten des deutschen Auslandsgeheimdienstes bestimmt waren.
In einem Fall soll Hanning daraus eine Analyse für einen Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparats erstellt haben. Ob diese Analyse den vorgesehenen Adressaten erreichte, sei bislang nicht festzustellen gewesen, teilte die Bundesanwaltschaft mit.
Von März 2012 bis März 2026 arbeitete Manfred D. laut Bundesanwaltschaft erneut als Büroleiter für mehrere BND-Präsidenten und hatte dabei Zugriff auf geheimhaltungsbedürftige Informationen. Hanning hatte den BND von Dezember 1998 bis Ende November 2005 geleitet, später war er Staatssekretär im Bundesinnenministerium und arbeitete als Sicherheitsberater in der Privatwirtschaft.
Für die Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
