Frankreich wirft dem russlandnahen Einflussnetzwerk GlobUs vor, in Afrika prorussische und antiwestliche Botschaften zu verbreiten. Nach Einschätzung des französischen Dienstes Viginum könnte die Kampagne nicht nur Moskaus Stellung in Kamerun und der Republik Kongo stärken, sondern auch das politische Umfeld für Marine Le Pen in Frankreich beeinflussen.
Über die Vorwürfe berichteten Medien am 28. Oktober 2026, darunter Digi24. Viginum bringt GlobUs mit dem früheren Umfeld des ehemaligen Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin in Verbindung. Das Netzwerk soll Journalisten, Influencer, Juristen und Politologen zusammenführen und lokale Medien nutzen, um politische Botschaften als einheimische Debatte erscheinen zu lassen.
Der mögliche Weg von Afrika zur französischen Wahl
Die französische Einschätzung verbindet die Aktivitäten von GlobUs mit dem Ziel, Le Pen zusätzliche Wählerunterstützung zu verschaffen. In Kamerun und der Republik Kongo leben zahlreiche französische Staatsangehörige sowie Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Ein Teil von ihnen ist bei französischen Wahlen stimmberechtigt. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen einer Informationskampagne in Afrika und dem politischen Wettbewerb in Frankreich.
Damit ist jedoch nicht belegt, dass das Netzwerk Stimmen für Le Pen gewonnen, Wähler unmittelbar angesprochen oder den Ausgang einer Wahl verändert hat. Beschrieben wird vielmehr ein möglicher Wirkungsmechanismus: Russische und antiwestliche Narrative werden über lokale Akteure verbreitet und können so auch ein Publikum erreichen, das mit französischer Politik verbunden ist.
Für Moskau wäre Le Pen aus strategischer Sicht eine politische Partnerin. Die französische Politikerin tritt für eine Neubewertung des gemeinsamen europäischen Kurses gegenüber Russland ein. Eine Stärkung ihrer Position könnte deshalb den politischen Druck auf die bisherige europäische Linie verringern. Zugleich würde eine solche Einflussnahme versuchen, das Vertrauen in Frankreichs Außenpolitik und in westliche Staaten insgesamt zu schwächen.
Lokale Stimmen als Verbreitungskanal
Das von Viginum beschriebene Modell setzt offenbar nicht in erster Linie auf offen russische Medienangebote. Stattdessen sollen Journalisten, Influencer und andere Fachleute Inhalte aufgreifen, anpassen und über bereits bekannte lokale Plattformen verbreiten. Die Herkunft der politischen Botschaft wird dadurch weniger sichtbar, während die Verbindung zu einem vertrauten Medium oder Kommentator ihre Glaubwürdigkeit erhöhen kann.
Diese Struktur erschwert die Zuordnung einzelner Beiträge. Ein antiwestlicher Kommentar eines lokalen Experten wirkt zunächst wie eine eigenständige Einschätzung. Erst das Zusammenspiel wiederkehrender Narrative, beteiligter Personen und genutzter Medienkanäle kann auf eine koordinierte Kampagne hindeuten. GlobUs verfügt nach dieser Darstellung über mehrere Zugänge zur öffentlichen Kommunikation und ist nicht auf einen einzigen Kanal angewiesen.
Französische Stellen gehen zudem davon aus, dass GlobUs die frühere Struktur AFRIC abgelöst haben könnte. AFRIC soll zur Unterstützung prorussischer Kandidaten und zur Einmischung in Wahlen eingesetzt worden sein. Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, würde der Wechsel vor allem eine organisatorische Kontinuität nahelegen: Die Bezeichnungen und lokalen Partner ändern sich, während die grundlegende Methode der Einflussnahme erhalten bleibt.
Einflusskampf in Kamerun und der Republik Kongo
Die Aktivitäten hätten nach französischer Einschätzung eine Wirkung, die über die französische Wahl hinausgeht. Kamerun und die Republik Kongo gehören zu den Ländern, in denen Frankreich über langjährige politische, wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen verfügt. Narrative, die Russland als Alternative darstellen und Frankreich als feindselige oder im Niedergang befindliche Macht zeichnen, können daher zugleich Moskaus Präsenz fördern und die Stellung von Paris schwächen.
Für das russische Vorgehen ergäben sich daraus zwei mögliche Vorteile. Eine größere Akzeptanz russischer Positionen könnte den Handlungsspielraum Moskaus in Afrika erweitern. Gleichzeitig könnte eine Schwächung Frankreichs die europäische Reaktion auf russischen Einfluss erschweren. Erreichen die Botschaften zudem französische Bürger im Ausland, verbindet sich der regionale Einflusskampf mit einem innenpolitischen Ziel.
Ob GlobUs messbare Unterstützung für Le Pen erzeugt hat, bleibt offen. Die französischen Vorwürfe machen jedoch ein Verfahren sichtbar: politische Inhalte werden über lokale Stimmen und Medien verbreitet, ihre russischen Interessen werden dabei weniger deutlich, und ihre Wirkung kann sich von afrikanischen Debatten bis in den französischen Wahlkampf erstrecken.
